Junge Britin am Bahnhof erstochen

von Redaktion

Eine 31-jährige Britin ist in den frühen Morgenstunden des gestrigen Sonntags am Bahnhof in Rosenheim erstochen worden. Die Tat ereignete sich gegen 0.50 Uhr. Die Bundespolizei nahm noch vor Ort einen 27-jährigen Tatverdächtigen fest. Hintergründe und Motiv waren zunächst unklar.

Zeigte sich zutiefst betroffen: Oberbürgermeister Abuzar Erdogan.Foto Privat

Rosenheim – Am Bahnhof in Rosenheim herrscht am gestrigen Sonntagvormittag reges Treiben. Reisende warten mit großen Koffern auf ihren Zug, andere stehen in einer Schlange vor der Bäckerei. Brezen werden gekauft, dazu Kaffee. Rund 40 Personen tummeln sich in der Bahnhofsvorhalle. Nichts erinnert mehr an den schrecklichen Vorfall, der sich hier nur wenige Stunden zuvor abgespielt hat.

Tatverdächtiger noch
vor Ort festgenommen

Eine 31-jährige Britin wurde im Bahnhof mit einem Messer angegriffen und tödlich verletzt. Ein 27-jähriger Mann mit deutscher Staatsangehörigkeit aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck wurde unter dringendem Tatverdacht noch am Tatort festgenommen. Das teilte das Polizeipräsidium Oberbayern Süd in einer Pressemitteilung mit. Noch sind viele Fragen offen, auch Stunden nach der Tat.

„Hintergründe und Motiv der Tat sind Gegenstand der laufenden kriminalpolizeilichen Ermittlungen“, teilt ein Sprecher des Polizeipräsidiums auf OVB-Anfrage mit. Viel kann und will er derzeit noch nicht verraten. Gegen 0.50 Uhr war es, als die Meldung über die Tat bei der Integrierten Leitstelle einging. „Einige Menschen waren zu dieser Zeit noch unterwegs“, sagt der Sprecher.

Der Grund dafür ist schnell klar: Am Samstag (29. August) wurde das Rosenheimer Herbstfest offiziell eröffnet. Der letzte Nachtzug fährt um 0.43 Uhr in Richtung Kufstein. Für viele die letzte Gelegenheit, nach Hause zu kommen. Nur wenige Minuten später hat sich der Vorfall ereignet. Einen Bezug zum Herbstfest gibt es aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit keinen. Das gab ein Polizeisprecher auf Anfrage bekannt.

Die 31-Jährige habe sich auf der Durchreise befunden. Anhaltspunkte dafür, dass sie sich zwischenzeitlich auf das Festgelände begeben hat, gebe es keine. Fest steht: Die Frau landete am frühen Abend aus London-Heathrow kommend am Münchner Flughafen und wollte dann mit öffentlichen Verkehrsmitteln weiter ins benachbarte Ausland reisen. Dabei kam es dann am Rosenheimer Bahnhof zum Aufeinandertreffen mit dem Tatverdächtigen.

Auch der mutmaßliche Täter hat sich – Stand jetzt – wohl nicht auf dem Herbstfest aufgehalten. Dass sich Opfer und Täter bereits kannten, ist wenig wahrscheinlich.

Nach der Festnahme durch die Bundespolizei koordinierte die Polizeiinspektion Rosenheim die ersten polizeilichen Maßnahmen. Anschließend übernahm das Fachkommissariat 1 der Kriminalpolizeiinspektion Rosenheim den Fall. Unterstützung gab es vom Fachkommissariat für Spurensicherung. „Die Spurensicherung hat einige Stunden in Anspruch genommen“, sagt der Polizeisprecher.

Die Tat selbst scheint sich – anderen Medienberichten zufolge – in der Fußgängerunterführung, am Bahnsteig 4/5 zugetragen zu haben und nicht in der Bahnhofsvorhalle. Vor Ort gibt es jedoch weder Absperrungen noch Markierungen, die Aufschluss über den genauen Tatort liefern. In der Bahnhofsvorhalle selbst hat niemand etwas von dem Vorfall mitbekommen. Das zeigen kurze Gespräche vor Ort. „Ich höre davon zum ersten Mal“, sagt ein Verkäufer.

Er selbst habe bislang noch keine negativen Erfahrungen am Bahnhof gemacht. Etwas anders dürfte da die Aussage von den Mitarbeitern eines anderen Geschäfts ausfallen. Erst im Mai wurden sie Zeugen, als ein Mann (55) eine junge Frau mit einem Küchenmesser bedrohte. Zwei couragierte Männer erkannten die gefährliche Situation und schritten sofort ein. Der Mann wurde vorläufig festgenommen. Ein Alkoholtest ergab bei ihm einen Wert von etwa 2,1 Promille.

Im Juli 2024 kam es gegen 0.20 Uhr zu einer Auseinandersetzung am Rosenheimer Bahnhof, bei der ein damals 34-jähriger Peruaner mit einer Stichwaffe verletzt wurde. Der Täter flüchtete, konnte aber kurze Zeit später in Stephanskirchen festgenommen werden. Bei dem Täter handelte es sich um einen damals 25-jährigen rumänischen Staatsangehörigen.

An andere größere Vorfälle in den vergangenen Jahren kann sich der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd am Telefon nicht erinnern. Um die Sicherheit am Bahnhof zu erhöhen, wurde in der Vergangenheit nicht nur die Präsenz der Bundespolizei verstärkt, sondern auch die Beleuchtung in der Fußgängerunterführung zur Klepperstraße verbessert. Zudem ist der Rosenheimer Bahnhof mit über 20 Kameras videoüberwacht.

Stunden nach der Tat meldeten sich auch erste Politiker zu Wort. „Die grausame Tat am Rosenheimer Bahnhof erschüttert mich zutiefst. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden der getöteten Frau“, sagt Daniela Ludwig, Parlamentarische Staatssekretärin beim Innenministerium. Eine Streife der Bundespolizei konnte den Angreifer sofort festnehmen. Die Kollegen hätten sofort mit der Reanimation der Verletzten begonnen. „Dies zeigt zum einen, dass solche Einzeltaten nicht zu verhindern sind, durch das gute Polizeiaufkommen an unserem Bahnhof aber die Flucht des Täters oder gar weiterer Schaden verhindert werden konnten. Alles Weitere bleibt den Ermittlungen vorbehalten“, fügt Ludwig hinzu.

Auch Oberbürgermeister Abuzar Erdogan meldete sich zu Wort. „Die Nachricht vom Tod einer jungen Frau am Rosenheimer Bahnhof macht mich tief betroffen“, sagte er. Die Kriminalpolizei ermittelt gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft mit Hochdruck zu den Hintergründen und zum Motiv der Tat. „Es gibt nach aktuellem Kenntnisstand der Polizei keine Hinweise auf eine Gefährdungslage in unserer Stadt oder einen Bezug zum Herbstfest“, unterstreicht der Oberbürgermeister. Rosenheim sei eine sichere Stadt. „Ein solches Gewaltverbrechen erschüttert uns gerade deshalb“, fährt er fort.

Demonstration
angekündigt

Er befinde sich in enger Abstimmung mit den Ermittlungsbehörden, die alles daran setzen, die Tat aufzuklären. Sowohl er als auch Ludwig nutzen zudem die Gelegenheit, um sich bei den Einsatzkräften für ihr schnelles Handeln zu bedanken. Die Initiative „Solidaritätsnetzwerk Rosenheim“ hat die Gewalttat zum Anlass für eine Demonstration genommen. Beginn ist am heutigen Montag, um 18 Uhr am Ludwigsplatz.

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