Um für die Wiesn fit zu werden, hat der Wiesnigel Ignaz seit jeher ab Frühsommer die Jubiläums-Festzelte der Trachtenvereine, Feuerwehren, Burschen- (und neuerdings) Madlvereine sowie ähnliche Veranstaltungen besucht. Besonders bei den Festen der Vereine, die sich nach alter Sitte mit vollem Namen als Gebirgstrachtenerhaltungsvereine bezeichnen, fiel dem Ignaz auf, dass sich die kulinarischen Vorlieben der Mitglieder meilenweit von den althergebrachten Küchenrezepten entfernt haben.
Ignaz beobachtete, dass sich über die Hälfte der Besucher statt für (bitte nicht alt hergebrachte) Hendl, Schweinswürstl, Rollbraten oder Steckerlfisch immer öfter für eine Currywurst mit Pommes entscheiden. Das mag daran liegen, dass die korrekte Zubereitung dieser durstfördernden Spezialität die häusliche Küche überfordert und man sich diesen Imbiss daher außerhalb einverleibt. Wo bleibt aber der erzieherische Auftrag zum Erhalt alter Sitten und Gebräuche? Die meisten dieser Festivitäten enden mit dem Kesselfleisch-Montag. Hier muss der Ignaz von vielfachem Etikettenschwindel berichten: In fast der Hälfte aller Angebote entspricht das Aufgetischte nicht der Bezeichnung. Fragt aber die Bedienung: „Mit oder ohne?“, weiß der Innereien-Insider, dass er hier das bekommt, was angezeigt ist.
Kesselfleisch besteht als traditionelles Gericht seit jeher aus Wammerl, Herz, Leber und Zung‘; dazu Sauerkraut, Brot und frisch geriebener Meerrettich. Häufig gibt’s aber nur zwei Scheiben Wammerl mit Kraut und Brot – basta. Das Vatertagsfest des SV Pang, das Inndamm-Fest des Rosenheimer THW und das Fest der Feuerwehr Stephanskirchen-Leonhardspfunzen zum nahenden Saisonende sind auch heuer Pflichttermine für den Kesselfleisch-Liebhaber gewesen. Angeblich schreibt zu diesem Problem bereits Rita Falk als Fortsetzung für den Eberhofer-Krimi „Sauerkrautkoma“ ein neues Buch: „Kesselfleisch-Kahlschlag“… hh