Die Geschichte des Oberbayerischen Volksblatts (OVB) beginnt im Jahr 1854. Vater der heute traditionsreichen Tageszeitung ist ein Münchner: Der Buchdrucker Erasmus Huber gründet 1854 in Wasserburg das Rosenheimer Wochenblatt, am 2. Januar 1855 erscheint die erste Ausgabe. 1860 verlegt er den Verlagssitz nach Rosenheim, drei Jahre später folgt die Umbenennung in Rosenheimer Anzeiger.
1868 verkauft Huber das Unternehmen an Hieronymus Mühlberger und Ludwig Gaßner. Wieder drei Jahre danach gründen katholisch-konservative Kreise das Rosenheimer Tagblatt Wendelstein. Die Folge sind journalistische Gefechte mit der nationalliberalen Konkurrenz vom Wochenblatt. Im gleichen Jahr erwirbt Michael Niedermayr aus Altenbeuern den Rosenheimer Anzeiger, der ab 1875 nun täglich erscheint.
Die Nachfolge von Michael Niedermayr tritt sein Sohn Robert an. 1935 stößt dessen Sohn Franz zum Verlag, der 1937 zum stellvertretenden Verlagsleiter ernannt wird. Bereits 1933 ist der Rosenheimer Anzeiger „gleichgeschaltet“ und von der NSDAP auf Parteilinie gebracht worden. Währenddessen verbringt der NS-kritische Redakteur des Tagblatts Wendelstein, Heinrich Bergmann, mehrere Wochen im Gefängnis und später im Konzentrationslager Dachau. Schließlich wird das Tagblatt Wendelstein dem Bayerischen Zeitungsblock angeschlossen und 1935 in „Rosenheimer Tagblatt“ umbenannt. Am 15. Juni 1937 erfolgt die Vereinigung des Rosenheimer Anzeigers mit dem Rosenheimer Tagblatt. Die letzte Ausgabe des Rosenheimer Anzeigers erscheint am 1.Mai 1945.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs setzen sich die amerikanischen Besatzer zum Ziel, anstelle der bis dato eher kleinteiligen Presselandschaft in Bayern mehrere mittelgroße Regionalzeitungen mit höherer Auflage ins Leben zu
rufen. In Oberbayern erhalten deshalb vorerst nur in München, Ingolstadt, Rosenheim, Garmisch-Partenkirchen und Bad Reichenhall neue Zeitungen eine Lizenz. In Rosenheim profitieren davon Leonhard Lang und Ernst Haenisch – Robert Niedermayr hatte dagegen keine Lizenz mehr bekommen.