Industrialisierung des mangfalltals

Zugverbindung als Wirtschaftsfaktor

von Redaktion

Die Entwicklungen im Mangfalltal zwischen dem Tegernsee und Rosenheim sind beispielhaft für die Industriegeschichte Bayerns im 19. Jahrhundert. In den jeweiligen Geschichten der Altlandkreis-Kommunen ist das Jahr 1857 als regelrechte Wende markiert.

Denn mit der feierlichen Eröffnung der Bahnlinie Holzkirchen-Rosenheim hielt die Neuzeit Einzug ins Mangfalltal. Eine „hervorragende Bedeutung“ attestierte der ehemalige Rosenheimer Landrat Dr. Max Gimple der Maximiliansbahn im Rahmen einer Jubiläumsfeier. „Sie hat vor 150 Jahren den Ausschlag gegeben, dass sich nicht Wasserburg, sondern Rosenheim als Zentrum in der Region durchgesetzt hat.“ Ab Mitte der 90er-Jahre sei sie eine Bahn des Nahverkehrs mit starker Gegenwart geworden.

Die Mangfalltalbahn ist Teil der ersten Schienenverbindung zwischen München und Rosenheim (und weiter nach Salzburg/Kufstein). Sie wurde vom bayerischen Staat erbaut und am 31. Oktober 1857 fertiggestellt. Die Strecke endete damals im Rosenheimer Vorort „Am Roßacker“. Erst am 13. November 1858 wurde dann der erste „richtige“ Bahnhof in Rosenheim samt Lokschuppen und Drehscheibe eingeweiht. Die Bahnstrecke wurde zu dieser Zeit vor allem genutzt, um Kohle aus dem Bergwerk in Hausham zum Salinensudhaus in Rosenheim zu transportieren.

Beginnend im Westen des Altlandkreises wurde auf der neuen Bahnlinie vor allem Kohle aus dem Bergwerk in Hausham für das Salinensudhaus in Rosenheim transportiert. Eine besondere Rolle spielte Westerham. Der Ort, der zu dieser Zeit bereits über eine Jahrhunderte alte Geschichte verfügte, war eines der wenigen Bauerndörfer, das an die Bahn angeschlossen worden war. Es diente als Wasserstation für die Lokomotiven.

Hinsichtlich der Trasse der Maximiliansbahn hatte es generell und im Vorfeld zahlreiche Diskussionen sowie auch verworfene Streckenverläufe gegeben. So war sowohl die Route auf der rechten Mangfallseite über Vagen, Götting und Willing ad acta gelegt worden, wie auch die Verbindung über Glonn und Kirchdorf. Neben der Bahn spielte auch die Nutzung der Wasserkraft entlang der Mangfall eine große Rolle.

Es entstand – als weitere Konsequenz – 1914 das Leitzach-Kraftwerk in Vagen mit seinen riesigen Druckrohren. Durch diese beiden „Zugpferde“ – Bahn und Wasserkraft – kam es zu reger Bautätigkeit. Wohnanlagen sowie neue Betriebe schossen“ empor. Sie zeigten, dass es in der Gemeinde einen Strukturwandel gab. Besonders Pendler gen München wissen seither zu schätzen: ländlich in Feldkirchen-Westerham wohnen und außerhalb arbeiten.

Die Mangfall bescherte der Region zahlreiche Sägen und Mühlen und für die 1810 errichtete Saline in Rosenheim wurde auf der Mangfall Triftholz aus den Wäldern um den Tegernsee transportiert. Mit der Bahn wurde die Industrieachse aber größer und kompakter. Die Firmen siedelten sich in neuen Gewerbegebieten an und die Fabrikanlagen reihten sich in dichter Abfolge an die Haltepunkte. Ein Beispiel ist dabei als erster größerer Industriebetrieb 1966 der Umzug der Firma Spinner aus München nach Westerham.

Der Markt Bruckmühl wurde ganz besonders durch die Industrialisierung aus seinem bis dato „Dornröschenschlaf“ geweckt und dem Verkehr und der Wirtschaft erschlossen. Wasserkraft war auch dort bereits durch die Mangfall und den Mühlbach vorhanden. Die erste Fabrik, die in der Gegend gebaut wurde, war die chemische Fabrik in Heufeld im Jahr 1858. Dies ist die heutige Firma Clariant (Deutschland) GmbH. Sie geht auf den bekannte Chemiker Justus von Liebig zurück. Dieser hatte den Wert der künstlichen Mineraldüngung 1840 entdeckt. Als er den Superphosphat-Dünger entwickelte, war er Mitbegründer der „Bayerischen Aktiengesellschaft für chemische und landwirtschaftlich-chemische Fabrikate“ (BAG, Werk in Heufeld) mit Sitz München.

Nicht nur in Bruckmühl gab es einen Müller, sondern auch in Heufeld. Diese Mühle war eine Einöde. 1898 wurde die Mühle am Heufeld an die Loden- und Wolldeckenfabrik Pasing verkauft. Auf dem Gelände begann sofort eine rege Bautätigkeit. 1904 erwarb die Bayerische Wolldeckenfabrik Weiler, Bauer und Co. das Werk, ab 1913 hieß es Bayerische Wolldeckenfabrik Bruckmühl. Sie wurde zum größten Industriebetrieb in der Gemeinde: Über 800 Menschen fanden nach dem Zweiten Weltkrieg dort Arbeit.

Zugstrecke Bad Aibling- Bad Feilnbach

Die erste elektrische Bahnlinie der Region führte ab 1897 von Bad Aibling über Au nach Feilnbach. Sie war eine technische Attraktion jener Zeit und tat ihren Dienst bis in die 60er-Jahre, ehe die Bundesbahnreform zur Einstellung der Strecke führte. Auch existierte eine kurze Stichstrecke von Westerham nach Vagen, die noch in den 40er-Jahren für den Personenverkehr genutzt wurde. Später wurden die Gleise nur noch für die Anbindung der Leitzachwerke genutzt, bevor sie Ende der 90er-Jahre demontiert wurden.

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