Die Reichspogromnacht

von Redaktion

Mit fünf Schüssen streckte Herschel Grynszpan (Foto) am 7. November 1938 in Paris den Diplomaten Ernst vom Rath nieder. Damit protestierte Grynszpan gegen die Massenabschiebung tausender Juden polnischer Staatsangehörigkeit aus Deutschland. Auch Grynszpans Eltern waren darunter. Das Attentat nutzten die Nazis, um ihre Gewaltorgie in der Nacht auf den 10. November 1938 zu rechtfertigen. Die Juden sollten laut Joseph Goebbels „den Volkszorn zu verspüren bekommen“. Tatsächlich war das Pogrom keine spontane Entladung des Volkszorns, sondern geplant. Es sollte die „Arisierung“, die Zwangsenteignung jüdischen Kapitals, beschleunigen. Zu ersten Übergriffen kam es bereits am 8. November, etwa in Fulda. Das Startsignal für das reichsweite Pogrom gab Joseph Goebbels am Abend des 9. Novembers 1938 im Alten Rathaus am Münchner Marienplatz. Die NSDAP- und SA-Führerschaft feierte dort den Jahrestag des Hitlerputsches vom 9. November 1923. Nach Goebbels’ Rede wiesen die Anwesenden die ihnen unterstellten Einheiten an, überall im Reich Synagogen anzuzünden, jüdische Geschäfte und Privathäuser zu verwüsten. Jüdisches Vermögen wurde konfisziert. Die Nazis griffen hierbei auf die „Judenkartei“ zurück, in der seit 1935 alle Juden erfasst waren. In München traf es das Kaufhaus Uhlfelder (siehe Text oben) besonders schlimm. Es wurde weitgehend zerstört. Die Stadt München und bayerische Behörden verfügten die Liquidation der Firma. Die Treuhand AG verkaufte die Grundstücke und den Bestand des Warenlagers. Max Uhlfelder und sein Sohn Harry wurden verhaftet und ins KZ Dachau gebracht – wie weitere 30 000 Juden im gesamten Reich. 1939 kamen die Uhlfelders frei, ihnen gelang die Flucht ins indische Bombay. 1940 wurden sie ausgebürgert. Ihr Privatvermögen fiel an das Deutsche Reich. Max Uhlfelder kehrte 1953 nach München zurück. In vielen, jahrelangen Verfahren kämpfte er um eine Rückerstattung seines Vermögens. An seinen Wohlstand vor der „Arisierung“ konnte er nicht wieder anknüpfen.  bst/Foto:epd

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