Rosenheim/Meran – „Ich war schon ein paar Mal in Bozen. Aber auch Meran ist sehr schön!“ – Jari Pasanen, Cheftrainer der Starbulls Rosenheim, war angetan von der Kulisse und dem Drumherum des Eishockey-Vorbereitungsturniers in Südtirol. Und auch sportlich hat es für den erfahrenen Trainer durchaus gepasst, auch wenn die Starbulls am Ende mit zwei Niederlagen – 1:2 nach Verlängerung gegen Kosice und 0:4 gegen den späteren Turniersieger aus Bozen – herausgegangen sind. Wenn da nicht die frischen Verletzungssorgen wären: Nach Verteidiger Ryan McKiernan mussten der Reihe nach die Stürmer Scott Feser, Lewis Zerter-Gossage und Lukas Laub passen. Letzterer fiel nach einem Check im Spiel gegen Bozen aus. Auf Nachfrage der OVB-Sportredaktion vermeldete Pasanen: „Oberkörperverletzung.“
Die Starbulls nutzten die vier Tage in Südtirol, um weiter an der Kondition und am Teamgeist zu feilen. Das Turnier war der Abschluss einer anstrengenden Testspielwoche mit ansprechenden Duellen gegen vier internationale Kontrahenten. „Für die Kondition war diese Woche sehr gut“, befand Pasanen. Und auch die Gemeinschaft lebte auf: Am spielfreien Samstag bestritten die Rosenheimer noch ein freiwilliges Eistraining in der Meranarena, danach zog es die Spieler bei schönstem Wetter per Gondel in die fantastische Bergwelt. Dazu verbrachten die Starbulls viel Zeit mit gemeinsamen Meetings. „Das hat alles super gepasst“, urteilte der Rosenheimer Coach. Zwei Wochen vor dem Start in die neue DEL2-Saison hatten er und sein Trainerstab einige offene Fragen. „Und wir haben Antworten bekommen“, sagt Pasanen. Diese Erkenntnisse hat die OVB-Sportredaktion gewonnen:
Der Kader ist zu dünn: Nach den Ausfällen von Kapitän McKiernan und den drei Stürmern spielten die Starbulls am Ende mit sechs Verteidigern und zehn Angreifern. Es besteht die Hoffnung, dass zum Saisonstart alle angeschlagenen Akteure mit dabei sein können, dennoch ist der Kader schon arg auf Kante genäht. Und man kann nicht davon ausgehen, die Saison komplett ohne Ausfälle über die Bühne zu bringen. Fazit: Ein weiterer Verteidiger und ein Stürmer sind wohl noch notwendig!
Dominik Kolb ist wertvoller denn je: In Villach und gegen Pustertal verteidigte Allrounder Dominik Kolb, gegen Kosice spielte er im Sturm und gegen Bozen plötzlich überall. Der mittlerweile dienstälteste (er geht ins siebte Rosenheim-Jahr) Akteur im Starbulls-Trikot erweist sich als Universalgenie. Wohl dem, der so einen Spieler zur Verfügung hat, zumal Pasanen davon schwärmt, aktuell den fittesten Kolb aller Zeiten zu erleben. Dennoch: Ein Spieler, auch wenn er so flexibel wie der Noch-29-Jährige ist, sollte wissen, wo sein Platz im Team ist – kurzfristige Umstellungen durchaus möglich!
Spielpraxis für die Jungen: Immer wieder hat Jari Pasanen zuletzt erwähnt, welchen Sprung die jungen Spieler im Team in ihrer zweiten Sommervorbereitung im Herrenbereich gemacht haben. Diese Steigerung konnten die Eigengewächse Lars Bosecker, Johannes Achatz und Michael Musin beim Turnier in Bozen reichlich unter Beweis stellen. Sie bekamen viele Einsatzminuten und präsentierten sich ordentlich. Natürlich ist dabei auch noch Luft nach oben, aber der nächste Schritt ist getan. Es gilt aber: Ausruhen ist nicht erlaubt, das Erarbeitete muss jetzt zum Standard werden!
Geduld mit den Stürmern: In Meran fiel in zwei Spielen nur ein Starbulls-Tor, das erzielte Verteidiger Shane Hanna. Es stellt sich ja die Frage, wer die Nachfolge von Ville Järveläinen als Top-Torjäger der Starbulls antritt. Der Deutsch-Finne war in den letzten beiden Spielzeiten mit jeweils 23 Treffern der beste Schütze bei den Rosenheimern. Die größte Hoffnung liegt dabei auf Keaton Mastrodonato, dem neuen kanadischen Flügelspieler, der in der ECHL mit Statistiken aufwarten konnte, die einem Torjäger gerecht werden. Bislang hat der Neuzugang noch nicht absolut gezündet. Viele Abschlüsse, noch zu wenig Ertrag. Der Kanadier spielt aber erstmals in Europa und ist noch in der Eingewöhnungsphase, sein Fleiß und seine Zielstrebigkeit machen aber Mut. „Wir sehen ihn jeden Tag im Training und kennen sein Potenzial“, erklärt Pasanen. Fazit: Bei Mastrodonato & Co. ist noch etwas Geduld gefragt.