Erlangen – Die Judo-Kampfgemeinschaft Aibling-Grafing hat auch ihr letztes Saison-Duell gegen den Erstliga-Absteiger TV Erlangen gewonnen und sich mit sieben Siegen aus sieben Kampftagen zum ungeschlagenen Zweitligameister in der Gruppe Süd des Deutschen Judobunds DJB gekrönt. Durch einen 8:6-Sieg machten die Oberbayern den größten Erfolg ihrer Teamgeschichte perfekt und sicherten sich „den Fuß in der Tür“ zur 1. Bundesliga.
Bereits ein Unentschieden hätte der Kampfgemeinschaft zur sicheren Meisterschaft gereicht. Durch die Ausfälle der zwei Leistungsträger Ian Störmer und Robert Barwig war es für die Coaches Martin Garic und Florian Speigel aber absehbar, dass es gegen bissige Erlanger auf ein enges Duell hinauslaufen wird. Eine Einschätzung, die sich bereits in den ersten beiden Kämpfen des Tages bestätigen sollte. Lucas Kuttalek (in der Gewichtsklasse -73 kg) und Lukas Bauer (-66 kg) verloren ihre Kämpfe, wodurch es schnell 0:2 aus Sicht der Gäste stand. Den Anschlusspunkt holte der international startende Ronald Pröll aus Österreich in der Gewichtsklasse -100 kg. Der anschließende Kampf -60 kg ging an die Hausherren. Routinier Valentin Larasser (-90 kg) besiegte dann Valentin Koserog und stellte somit den Anschluss wieder her. „Dieser Punkt war enorm wichtig für uns! Hätte Erlangen diesen geholt, wären sie für uns vor der Pause nicht mehr einholbar gewesen. Durch Vales Sieg hatten wir aber noch die Möglichkeit, selbst mit einer Führung in die Pause zu gehen“, ordnete Garic den Stellenwert dieses Duells ein. Und genau so sollte es auch kommen: Der erst 17-jährige Kirgise Aleksandr Simonov gewann seinen Kampf gegen Florian Schwob in der Verlängerung, ehe Punktegarant Mohamed Rouahi im Schwergewicht auf 4:3 stellte. „Dass die Schwergewichtskämpfe als jeweils letzte ausgetragen wurden, war für uns ein Glücksfall. Mo hat in dieser Saison eine 100-Prozent-Sieg-Bilanz, da kann man den letzten Punkt der Hin- und Rückrunde schon recht sicher einplanen“, so Speigel.
Durch das Halbzeitergebnis des Parallelkampfes des TSV München Großhadern gegen Jahn Nürnberg war klar, dass der Kampfgemeinschaft bereits eine knappe Niederlage zur Meisterschaft reichen würde. Nichtsdestotrotz schickte sich der Tabellenführer an, auch das siebte Saisonduell für sich zu entscheiden und das perfekte Saisonergebnis einzufahren. Der eingewechselte Maalik Heilmann besiegte in der Gewichtsklasse -73 kg den erfahrenen Dominik Röder weit in der Verlängerung mit Ippon durch Mehrfachbestrafung Röders. Durch Heilmanns Sieg bauten die Gäste ihre Führung erstmals auf zwei Punkte aus. Doch die Hausherren erwiesen sich als zäher Gegner und stellten durch einen Sieg ihrerseits den Anschluss wieder her. Diese Achterbahn der Gefühle sollte auch im folgenden Kampf in der Gewichtsklasse -100 kg weitergehen: Der eingewechselte Matthias Werner warf seinen österreichischen Gegner gleich mehrfach, wobei ihm einige Wertungen wieder aberkannt wurden. Werner ließ sich dadurch jedoch nicht aus dem Konzept bringen, erzielte weiter Wertung um Wertung und setzte sich schlussendlich vorzeitig durch. In der Gewichtsklasse -60 kg kam es dann zum Re-Match zwischen Maxim Weisser und Max Werner. Mit Wut im Bauch ging der 18-jährige Weisser den Rückkampf deutlich seriöser an und besiegte seinen Gegner nach knapp drei Minuten klar mit Ippon. Nach Weissers Sieg war der Jubel aufseiten der Gäste ungebrochen, denn durch den Punkt zum 7:4 für die Kampfgemeinschaft war mindestens ein Unentschieden und somit die Meisterschaft gesichert. Die darauffolgenden Niederlagen von Valentin Larasser (-90 kg) und Philipp Ampletzer (-81 kg) erwiesen sich als Ergebniskosmetik, denn im letzten Kampf war es der Franzose Rouahi, der durch einen Sieg den Endstand herstellte. „Das ist schon eine schöne Geschichte, dass Mo, der in dieser Saison so wichtig für uns war, den letzten Punkt der Saison und zum Sieg holen konnte. Wir haben uns alle sehr für ihn gefreut, dass hierfür noch einmal alle Augen auf ihn gerichtet waren“, bilanzierte Robert
Buendowski, Teammanager und Bundesligakämpfer, das emotionale Ende der Saison.
Ob die Kampfgemeinschaft nun den direkten Weg in die erste Judo-Bundesliga wagen wird, darüber müssen die Verantwortlichen in den kommenden Wochen beraten. „Unser Ziel war immer klar: Wir wollen so schnell wie möglich in die erste Bundesliga. Jedoch nicht unbedingt bei der ersten Gelegenheit. Der Unterschied zwischen erster und zweiter Liga ist immens. In der ersten Liga versammelt sich das „Who is Who“ des internationalen Judosports. Um da mithalten zu können, braucht es enorme finanzielle Mittel, die wir aktuell einfach nicht haben“, so Garic. Speigel ergänzt: „Bisher war unser Wachstum organisch und verlief in einem gesunden Maß. Jetzt viele neue Kämpfer einzukaufen und einen großen Bruch in der Mannschaft zu riskieren, widerspricht unserer Philosophie. Wir haben einige starke Nachwuchsathleten, die wir auf das entsprechende Niveau bringen wollen, damit wir uns nur noch punktuell verstärken müssen, um in Liga 1 zu bestehen. Ein Aufstieg darf auf keinen Fall übers Knie gebrochen werden, sondern muss nachhaltig geschehen.“re