Chiemsee – Bei sonnigen und optimalen Bedingungen hat mit dem 30. Chiemsee-Langstreckenschwimmen über 4500 Meter der arena Alpen Open Water Cup 2026 ein rekordreiches Saisonende gefunden. Im Rennen war mit Florian Wellbrock ein Olympiasieger und neunfacher Freiwasser-Weltmeister, der jedoch nicht als Erster das Ziel erreichte – aus gutem Grund.
360 Meldungen über die Hauptstrecke von der Fraueninsel ins Strandbad Übersee konnte Veranstalter Markus Schrör, der für dieses Event zum zehnten Mal verantwortlich zeichnete, verbuchen. 313 Aktive waren aus elf deutschen Bundesländern, fünf österreichischen Bundesländern und sogar aus Norwegen und Mexiko gekommen. Damit war das Rennen schon zwei Wochen vor dem Start erstmals restlos ausgebucht.
Um 10.40 Uhr folgte der Startschuss für die angereisten 313 Aktiven – außer für Florian Wellbrock. Er verharrte noch drei Minuten an der Fraueninsel. Markus Schrör und er hatten sich im Vorfeld überlegt, dass es für die anderen Sportler interessant und beeindruckend sei, wenn einer der schnellsten Langstreckenschwimmer der Welt an ihnen vorbeizieht. Und für die Schnellsten im Feld war es Ansporn, den Olympiasieger von Tokio möglichst lange auf der mit neun großen Bojen in der optimalen Falllinie markierten Strecke hinter sich zu lassen – oder gar vor ihm im Ziel anzukommen.
Die Wasserrettung Chiemsee unter der Federführung von Axel Seitz sorgte mit rund 80 Einsatzkräften für eine perfekte Streckensicherung, die allen Teilnehmer Sicherheit verlieh. Wellbrock ging nach den Europameisterschaften in Paris, bei der er drei Goldmedaillen im Freiwasser gewann, in den Urlaub und startete somit ohne Vorbereitung ins „bayerische Meer“. Schon nach wenigen Minuten begann er – stets flankiert von einem Stand-up-Paddler – die Aufholjagd. Er setzte sich in Schwimmrichtung auf die linke Seite und überholte nach und nach. Nur Max Dieckmann aus München, einen der starken Junioren in Bayern, konnte er nicht einfangen. Dieckmann hatte sich eine gute Renntaktik überlegt, die schließlich aufging: Nach 49:23 Minuten kam er unter tosendem Applaus der Zuschauer im Ziel an. Wellbrocks Zeit blieb bei 51:39 Minuten stehen, was den zweiten Platz bedeutete. Dahinter entwickelte sich ein enger Kampf um den dritten Rang, den der Forchheimer Niklas Schmidt (55:24 Minuten) für sich entschied. Wenige Sekunden später folgten Tim Krämer (55:27 Minuten), Nicky Lange (55:30 Minuten), Sven Wies (55:32 Minuten) und Sebastian Forster (55:35 Minuten).
Mitten im ersten Herren-Verfolgerfeld war mit Anja Krastel (Wasserfreunde München) die schnellste Dame. Sie benötigte 55:43 Minuten und fuhr damit ihren siebten Saisonsieg ein. Rund fünf Minuten später erreichte Renate Forstner vom MainzlGroup TriTeam TSV 1860 Rosenheim als Zweite das Ziel und verwies Solene Guisard (München) mit zwölf Sekunden Vorsprung auf den dritten Platz.
Die Altersklassenwertungen gingen an Solene Guisard und Max Dieckmann (Junioren), Anja Krastel und Florian Wellbrock (Masters 1), Renate Forstner, die sich dadurch erneut den Cup-Gesamtsieg dieser AK sicherte, und Nicky Lange (Masters 2), Christine Aschauer und Jochen Stelzer (Masters 3) sowie Barbara Kutschbach und Jürgen Wössner (Masters 4). Eine Sekunde nach Wössner löste Uwe Linner vom Mainzl Group TriTeam als Zweiter dieser Altersklasse die Zeitnahme aus. Mit Leopold Lindauer (Holzhaus Aicher Team Bad Endorf) stand als Zweiter der Masters 2 ein weiterer Athlet aus der Region auf dem Podest. Frederic Petrini-Monteferri (TSV 1860 Rosenheim Schwimmen) belegte Rang sieben der Masters 3, die mit 60 Teilnehmern am stärksten besetzte Altersklasse.
In der Mittagszeit fand der im zweiten Jahr ausgetragene Kinder- und Jugendcup über 500 Meter statt. Zu schwimmen war ein Dreieckskurs im Bereich des Strandbads Übersee. Insgesamt waren 32 Kinder und Jugendliche im Rennen. Die Sieger hießen Annika Faber (U11 weiblich) und Jonathan Jantsch (U11 männlich), Jonna Hefenbrock aus der Schwimmabteilung des TSV 1860 Rosenheim (U15 weiblich) und Benedikt Jantsch (U15 männlich). In der Erwachsenenklasse starteten 13 Damen und 16 Herren. Es gewannen Kedall Kott und Sebastian Forster, Vanda Wölfl vom MainzGroup TriTeam wurde Dritte.
Alle Ergebnisse sind unter https://my.raceresult.com/ 360424/results abrufbar.
Am Tag vor dem großen Wettkampf gab es für 24 Schwimmerinnen und Schwimmer Florian Wellbrock live und exklusiv zu erleben. Sie buchten dreistündige Schwimmseminare, die in zwei Gruppen durchgeführt worden sind. In der Theoriezeit referierte er unter anderem über seine Trainingspläne, seine Stärken und Schwächen. So berichtete er, dass er in Magdeburg zehn bis elf Einheiten pro Woche trainiert, die insgesamt bis zu 110 Kilometer umfassen. Er fügte an, dass es im Trainingslager zwölf Einheiten pro Woche zu schwimmen gilt. Ferner gab es Tipps über Wettkampfvorbereitungen, die richtige Renntaktik und er plauderte auch aus dem Nähkästchen über seine Ernährung und die Stunden vor einem Rennen.
Wellbrock gab auch zahlreiche Tipps, wie man im Open Water am besten atmet und um die Bojen schwimmt. Dies zeigte er den Teilnehmern auch in der Praxis. Die Stimmen waren anschließend absolut überwältigend und selbst langjährige Freiwassercracks konnten sehr viel mitnehmen.
Am späten Nachmittag gaben Wellbrock und auch die anderen beiden Weltstars – Sharon van Rouwendaal und Leonie Beck – eine Autogrammstunde. Anschließend war im Chiemsee ein rund 700 Meter langer Dreieckskurs zu einem Fun-Schwimmen ohne Zeitnahme gesetzt. 30 Schwimmerinnen und Schwimmer stürzten sich zusammen mit van Rouwendaal in den zu diesem Zeitpunkt welligen See. Die Niederländerin schwamm zwar bis zur ersten Boje voran, stoppte dann aber und versammelte alle anderen um sich. Sie gab dabei einige Tipps und Tricks preis, die ihr sicherlich halfen, 2016 und 2024 olympisches Gold über zehn Kilometer im Open Water zu holen.