Fußball mit Hirn

von Redaktion

Interview Trainer Robert Berg erklärt Tögings plötzlichen Wandel

Töging – Der FC Töging hat einen bemerkenswerten Start in die Fußball-Bezirksliga-Saison hingelegt. Mit dem 2:0 im Derby gegen den bisherigen Tabellenführer TSV Dorfen setzte die Mannschaft das nächste Ausrufezeichen und übernahm selbst die Spitze. Dabei hatte sich Töging erst am letzten Spieltag der vergangenen Saison aufgrund der besseren Tordifferenz gerettet.

Mittendrin in dieser Entwicklung ist Robert Berg. Der 51-Jährige geht in seine zweite Saison beim FC Töging. Zuvor arbeitete er unter anderem beim SV Wacker Burghausen. Im Interview mit beinschuss.de spricht Berg über den Wandel seiner Mannschaft, „Hirnfußball“ statt kapitaler Fehler, die schwierige erste Saison und darüber, warum die Tabellenführung an den Zielen erst einmal nichts ändert.

Vergangene Saison haben Sie sich erst am letzten Spieltag aufgrund der Tordifferenz gerettet, jetzt stehen Sie an der Tabellenspitze. Überrascht Sie diese Entwicklung selbst?

Ja, wir sind schon sehr, sehr überrascht. Wir haben uns natürlich verstärkt und die Jungs sind ein Jahr weiter. In der Rückrunde waren wir mit denen, die da waren, schon sehr gut, aber da wäre es halt bald vorbei gewesen. Und jetzt haben wir schon den nächsten Step gemacht, natürlich auch mit ein paar guten Transfers. Dafür, dass wir so bunt zusammengewürfelt sind, haben wir einen guten Teamgeist.

Eine große Stärke ist das Tempo in der Offensive. War genau das ein Bereich, den Sie im Sommer verbessern wollten?

Ja, klar. Wir haben gezielt die Offensive verstärkt, da hatten wir letztes Jahr einfach Probleme. Natürlich haben wir viele Spieler mit Top-Speed. Wenn mal ein freier Fuß da ist und wir die Läufe in die Tiefe machen, können die Gegner teilweise nicht mithalten. Aber wir sind insgesamt auch stabiler geworden. Wir nehmen alle Punkte mit und ändern auch nichts an unserem Ziel. Auch wenn wir jetzt Erster sind, wollen wir die 40 Punkte holen – und das so schnell wie möglich.

Nicht nur offensiv hat sich etwas verändert. Töging stellt aktuell auch eine der besten Defensiven. Was machen Sie dort anders als in der vergangenen Saison?

Ich glaube schon, dass die Abläufe mittlerweile drin sind und wir die kapitalen Fehler weglassen. Es hat jetzt mehr mit Hirnfußball zu tun als letztes Jahr. In der letzten Saison haben wir uns die Dinger selbst geschossen. Jetzt sind wir schon abgeklärter – und das macht natürlich etwas aus. Man kann aber nicht wirklich sagen, der oder der Mannschaftsteil – als Mannschaft funktionieren wir momentan einfach.

Sie sind jetzt in Ihrer zweiten Saison in Töging. Wie fällt Ihr persönliches Zwischenfazit aus?

Es gefällt mir gut. Ich arbeite mit den Leuten hier gut zusammen. Aber natürlich hatte man viel zu kämpfen. Das letzte Jahr war mehr als anspruchsvoll, personell und auch ein bisschen von den Rahmenbedingungen. Das hat sich jetzt auch verändert. Wenn man heute auf dem Platz ist, kann man Fußball spielen – und das war nicht immer der Fall. Von dem her hat der Verein da schon einen großen Schritt nach vorne gemacht. Wir sind eine bunt zusammengewürfelte Mannschaft, aber wir haben das gut hinbekommen, dass wir einen Mannschaftsgeist reingebracht haben. Ich weiß noch, als die Verpflichtungen im Sommer waren, sind wir von etlichen belächelt worden. Weil es letztes Jahr schon nicht gut war, haben viele gemeint: „Das kann nicht passen.“ Aber da hat die Mannschaft jetzt das Gegenteil bewiesen.

Sie haben bereits auf einem deutlich höheren Niveau trainiert und waren unter anderem in der Regionalliga tätig. Welche Ambitionen haben Sie mit dem FC Töging?

Man muss schauen, wo man herkommt. Töging war ja schon die Jahre zuvor immer am letzten Spieltag dabei, an dem sie sich gerettet haben. Letztes Jahr wollten wir natürlich nicht so weit hinten drin sein. Ein einstelliger Tabellenplatz war eigentlich das Ziel. Dieses Jahr geht es einfach darum, dass man sich in der Bezirksliga etabliert. Von dem her genieße ich den Moment. Die letzte Saison war extrem nervenaufreibend. Ich hoffe, dass das Ganze jetzt ein bisschen ruhiger wird.

Nach dem starken Saisonstart und der Tabellenführung: Was trauen Sie der Mannschaft in dieser Saison zu?

Wir sagen nach wie vor, dass wir einfach die Punkte hinkriegen möchten. Wir haben 16 Feldspieler, da darf gar nichts passieren. Von dem her weiß ich, wie schnell es in die andere Richtung gehen kann und man etliche Spiele hintereinander verlieren kann. Aber natürlich möchten wir die Welle jetzt so lange weiterreiten, wie wir die Jungs beieinanderhaben. Wenn wir unsere erste Elf haben und auch noch drei Spieler einwechseln können, dann passt das. Da muss ich der Mannschaft ein Kompliment machen.

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