München – Im Fußball war gerade erst Champions-League-Auslosung, im Eishockey wird schon gespielt. Europa hat losgelegt, gestern Abend löste der Deutsche Meister EHC München seine erste Aufgabe: Er bezwang den polnischen Meister KS Krakau 6:2 (1:0, 2:1, 3:1).
Überhaupt war es ein guter erster Spieltag für die deutschen Teams, die in den bisherigen drei Jahren, in denen es das Format gibt, mit der Champions Hockey League gefremdelt haben. Auch Mannheim siegte, bereits am Donnerstag beim schwedischen HV 71 Jönköping (4:1 – ein beachtlicher Erfolg, da die Schweden die stärkste Nation in der Königsklasse sind), die Grizzlys Wolfsburg hielten Banska Bystrica aus der slowakischen Liga 4:3 nieder. Alle drei DEL-Mannschaften gewannen also.
Begeisternd? Nun, es zeigte sich auch wieder, dass die CHL in den Köpfen des Publikums nicht angekommen ist. Lediglich 2150 Zuschauer kamen zu München – Krakau, die schwache Zahl mag zu erklären sein mit sommerlicher Hitze, bayerischer Urlaubszeit und mangelnder Reputation des Gegners. Am Sonntag (18 Uhr) wird zumindest der letzte Punkt entfallen. Dann kommt IFK Helsinki – und das ist schon ein Name mit Klang – ins Münchner Olympia-Eissportzentrum.
Auch andernorts hatte die CHL trotz ihrer Parolen, Eishockey von einer neuen Seite zu zeigen, Anlaufschwierigkeiten. Auch in Schweden, wo sie vorgibt, ein Renner zu sein: 2156 Interessenten bei Jönköping – Mannheim. Gewohnt überschaubar die Kulisse in Wolfsburg: 2058. Traditionell sind die Niedersachsen auch in der DEL das Team mit den wenigsten Fans.
Der Slogan „Champions Go Beyond“ (Meister gehen darüber hinaus) dringt noch nicht durch, andere Neuerungen bei der CHL aber, das muss man sagen, funktionieren. Die Liga hat einen guten und flott arbeitenden Statis-tikanbieter, der nette Infos im Programm hat wie die Zeit, die der jeweilige Spieler auf dem Eis zubringt, außerdem eine Karte, die aufzeigt, von welcher Zone aus die Mannschaften aufs Tor schießen. Daraus konnte man Erhellendes beziehen. KS Krakau konnte im gesamten ersten Drittel keinen einzigen Schuss im „slot“ abfeuern, dem Korridor vor dem Tor, wo die Erfolgschance die größte ist – der EHC unterband dies konsequent. Und kam selbst permanent zum Abschluss.
Es konnte keine Frage sein, wer dieses Spiel gewinnt – auch wenn es ergebnismäßig lange zäh anmutete. Die Polen, die an ihre Spieler heilige Eishockeynummern wie die 99 (gehört dem großen Wayne Gretzky und sonst keinem), 88 (Eric Lindros) und 77 (Paul Coffey) vergeben hatten, agierten strikt defensiv, erst in der 18. Minute fiel das erste EHC-Tor (durch Verteidiger Florian Kettemer). Das zweite Drittel erlebte dann sogar den Ausgleich, bei einem Konter in Unterzahl spielte Damian Kapica Münchens Torwart Danny Aus den Birken aus (34.). Den Hauch von Sensation vertrieben die Spieler von Trainer Don Jackson allerdings mit resoluten Angriffswellen – und so ging es mit einem 3:1 (Lauridsen, 36., Jaffray, 40.) in die letzte Pause. Verwunderlicherweise gelang Cracovia noch ein Tor (das 2:3, Urbanowicz), doch Münchens Neuzugang Patrick Hager rückte mit seinem 4:2 im Überzahlspiel die Verhältnisse zurecht (51.). Das 5:2 und 6:2 setzten Flaake und Eder drauf (58.). Die Umsetzung von 53:20 Torschüssen.