Basketball

Der Wandervogel will sesshaft werden

von Redaktion

Die sportliche Karriere war für Bayerns Neuzugang Hobbs lange Nebensache – das soll nun in München anders werden

Von Patrick Reichelt

Madonna di Campiglio – Zur Wochenmitte hat Braydon Hobbs beim FC Bayern schon einmal Höhenluft schnuppern dürfen. Gemeinsam mit dem Kollegen Devin Booker ließ er sich aus dem Teamquartier Oberosler auf einen Gipfel chauffieren. Vor dem malerischen Dolomitenpanorama posierte der neue Münchner Spielmacher dann mal mit einer Ziege, mal im Bergsteiger-Outfit. Was dann doch vor allem eine nette Abwechslung war zum sonst so schweißtreibenden Trainingsalltag im Trentin.

Seit einer Woche feilen Hobbs & Co. dort an ihrer Form. Was bislang herauskam, wird der erste Test an diesem Samstag (18.30 Uhr) in Rovereto gegen den italienischen Topklub Aquila Basket Trento zeigen. Was irgendwann herauskommen soll, ist für den 28-Jährigen jetzt schon klar: „Wir wollen Titel gewinnen, das ist unser Ziel.“

Solche Dinge waren dem schlaksigen Mann aus dem US-Bundestaat Indiana nicht immer sonderlich wichtig gewesen. Eigentlich hatte Hobbs lange überhaupt nichts von einer Karriere als Profisportler gehalten. Eine Art Wildhüter hatte er werden wollen, was irgendwie zu dem passionierten Jäger und Fischer passte. Bis ihm im Laufe seines Studiums der Kriminalistik aufging, dass eine Karriere beim Geheimdienst CIA oder der Drogenfahndung DEA noch reizvoller wäre. Irgendwann wird es ihn dorthin wohl auch verschlagen. Die Karriere nach der Karriere hat er längst fest im Sinn. Aber der Sport, der Basketball? Den hat er nebenbei gespielt, in einem zweitklassigen College-Team in seiner Universität in Kentucky.

Und wahrscheinlich wäre es dabei geblieben, hätte ihn nicht sein basketballbegeisterter Vater dazu gedrängt, es doch ein Weilchen in Übersee zu versuchen. Das hat er gemacht. Verdingte sich in den Sommermonaten bei zweitklassigen Teams in Australien. Versuchte sich im Winter mal in Spaniens zweiter Liga, mal beim ungarischen Klub Alba Fehervar. Reichtümer häuft man so nicht an, sportlichen Ruhm auch nicht. Doch „meine Frau und ich reisen gerne, wir haben das genossen“. Vor allem das Leben an der australischen Küste hatte es beiden angetan.

Am Ende war es dann wohl die Offerte des deutschen Zweitligisten Nürnberg, die ihn auf die Spur brachte, dass sein sportliches Leben doch auch mehr mit sich bringen könnte. Im Frankenland hat er sich gelegentlich die Übertragungen aus der BBL angeschaut und gedacht: „Dort würde ich auch ganz gerne hinkommen.“

In Gießen hat man den 1,96-Meter-Mann mit der besonderen Neigung zu spektakulären No-Look-Pässen als erstes erhört. Und die Sache hat ihm so gut gefallen, dass er aus Deutschland gar nicht mehr weg wollte. Wobei es sein Übriges getan haben dürfte, dass er mit Ehefrau Sadie mittlerweile ein kleines Töchterchen hat. „Ich habe meinem Agenten gesagt, auf etwas anderes als Deutschland muss er gar nicht schauen“, erklärte Hobbs, „ich denke, wenn hier irgendwann mal kein Angebot mehr kommt, dann war es das für mich.“

Doch sorgen muss er sich da wohl so schnell nicht mehr. Spätestens seit der vergangenen Saison, seit er Ulm als Regisseur maßgeblich mit zu einer sensationellen Hauptrundenmeisterschaft führte. Und nun also die Bayern, denen er gemeinsam mit dem Serben Stefan Jovic die Ideen und Impulse geben soll, die im vergangenen Jahr zu höheren Zielen noch fehlten. „Ich denke, hier ist viel möglich“, sagte er.

Wenn alles klappt, dann würde der überzeugte Wandervogel übrigens auch bei den Bayern gerne für ein Weilchen sesshaft werden. Einen guten Anfang hat er schon gemacht. Bei den Münchnern unterschrieb Hobbs zum ersten Mal überhaupt in seiner Karriere einen Zweijahresvertrag.

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