Gefährliche Komplimente

von Redaktion

Für das Umfeld steht 1860 als Aufsteiger fest – Bierofka gefällt das nicht, aber er vertraut dem Team

von uli kellner

München – Aus Sicht von Daniel Bierofka war es an der Zeit, auch mal die zu loben, die sonst nicht so im Rampenlicht stehen. „Die Jungs entwickeln sich sehr gut“, sagte er über die U 21 der Löwen, die am Mittwoch mit 1:0 bei Rain am Lech gewonnen hat: „Sie gewöhnen sich an das körperliche Niveau, das in der Bayernliga herrscht. Man darf nicht vergessen, dass das eine zusammengewürfelte Mannschaft ist – ohne Trainingsbetrieb. Fallobst sind sie jedenfalls nicht in der Liga.“

Ein demonstratives, da zweischichtiges Kompliment aus Sicht des 1860-Trainers. Zum einen ist es tatsächlich keine Selbstverständlichkeit, dass eine marginal verstärkte U 19 mal eben den bis dato souveränen Tabellenführer niederringt. Zum anderen lag aber auch eine pädagogische Botschaft in Bierofkas Einschätzung. Denn: Eine vergleichbare Ausgangslage erwartet seine Regionalliga-Löwen an diesem Samstag – nur mit umgekehrten Vorzeichen.

Der TSV 1860 als souveräner Tabellenführer muss beim Schlusslicht antreten, dem SV Seligenporten. Da besteht latente Stolpergefahr, wie Bierofka aus leidvoller Erfahrung weiß: „Letztes Jahr haben wir bei Bayern Hof verloren – da war die Ausgangslage auch: Erster gegen Letzter.“ Bierofka warnt mit all seiner Routine als Ligakenner und Charakterprediger: „Seligenporten ist auf dem aufsteigenden Ast. Die haben gerade 2:0 gegen Bayreuth gewonnen, die danach Schweinfurt geschlagen haben. Das ist eine hochmotivierte Mannschaft, die man keine Sekunde unterschätzen darf. Wenn wir da auch nur ein Prozent nachlassen, dann werden wir unser blaues Wunder erleben.“

Was man halt so sagt als Trainer, der den Lauf seines Teams in Gefahr sieht, weil Kollegen wie Seligenportens Roger Prinzen die Löwen einlullen („Aufstiegskarte praktisch schon in der Tasche“) – und im Umfeld bereits die Namen möglicher Relegationsgegner aufgelistet werden.

Wobei: Den Mentalitätstest am Dienstag hat Bierofkas Mannschaft bestanden. Nach der 5:0-Gala gegen Illertissen hat sie auch beim Totopokal in Dorfen (7:0) ihre Pflicht erfüllt. Es gab Löwen-Generationen, bei denen Bierofka nachlassende Spannung befürchtet hätte. Jetzt sagte er: „Ich kenne den Charakter meiner Mannschaft. Da muss ich gar nicht groß eingreifen. Wir haben zum Glück auch Spieler, die andere auf den Boden zurückholen können.“

Ein solcher Typ ist auch Daniel Adlung, der vor einer Rückkehr zu 1860 stehen soll. Bierofkas Prognose, ob der Transfer realisiert werden kann? „Momentan null Prozent“, beziffert er, deutet aber an, dass sein unterschwelliges Überzeugungsprogramm bereits gestartet ist. Ähnlich wie jetzt über Adlung hatte er sich auch vor der Rückkehr von Sascha Mölders geäußert. „Wir tauschen uns ganz normal aus“, sagt der Coach: „Ich weiß aber, dass er auch andere Angebote hat. Dass er keine Option ist, würde ich nicht sagen – im Gegenteil.“

Adlung ist für die Löwen ein Langzeitprojekt – als vertragsloser Profi darf der Mittelfeldspieler bis Ende des Kalenderjahres wechseln. Kurzfristig geht es Bierofka um andere Themen. Etwa um den Verbleib von Kilian Jakob, den Augsburg hartnäckig umwirbt. Oder den von Lino Tempelmann, bei dem 1860 eine neue Option sieht. Freiburg kauft den 18-Jährigen – und leiht ihn an 1860 aus. „Zum Beispiel“, so Bierofka.

Ein kurzfristiges Thema ist auch der Totopokal. Nach den Bezirksligisten Neuburg (4:0) und Dorfen bekommt es 1860 im Achtelfinale am 5. September mit dem Ligarivalen Unterföhring zu tun. Ein Aufsteiger zwar – aber noch so ein Gegner, vor dem man nicht genug warnen kann. „Einfach wird’s nicht“, sagt Bierofka: „Wir sind froh, dass wir ein Heimspiel haben.“

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