Unterhaching – Nachdem es neulich ein 0:4 in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Heidenheim setzte, fand Dominik Stahl klare Worte. „Wir müssen unsere Naivität abstellen“, sagte der Mittelfeldabräumer der SpVgg Unterhaching, „dass wir immer ordentlich spielen und dann ein Gegentor bei einem Standard fressen, zehrt nicht nur, es kotzt dich richtiggehend an.“
Stahls Analyse war schonungslos – und doch schlummerte in ihr auch ein Lob, versteckt in der drastischen Wortwahl. Der Aufsteiger hat in der Dritten Liga bisher wie im Pokal tatsächlich ordentlich gespielt, und so ist er eigentlich recht nah dran, salonfähig zu werden. Wichtig wäre, die körperlichen Defizite bei Standards zu kompensieren. Die Sehnsucht nach Lufthoheit ist bei Haching groß, nicht seit gestern. Bereits in seiner Ansprache am ersten Tag der Vorbereitung hatte Trainer Claus Schromm darauf hingewiesen, dass die Gegner im Schnitt fünf Zentimeter größer seien. Nach der Erfahrung des Duells mit Heidenheim empfahl er: „Schnell ganz viel essen, groß und stark werden.“ Da schwang leicht Fatalismus mit, doch da darf man sich nicht täuschen: Es heißt ja auch: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.
Die Ecken werden den Unterhachingern nicht immer so spielenentscheidend und scharf um die Ohren fliegen wie gegen den Zweitligisten Heidenheim, zudem versichert Kapitän Josef Welzmüller, man werde an der Schwäche arbeiten: „Wir müssen da schnell lernen, um in der Dritten Liga anzukommen.“
Dem Ziel, Fuß zu fassen, haben sich die Rot-Blauen letzte Woche mit dem 2:1 in Halle schon ein gutes Stück angenähert. Am heutigen Samstag kommt Chemnitz in den Sportpark (Anpfiff 14 Uhr). „Wir machen da weiter, wo wir in Halle aufgehört haben“, sagt Manfred Schwabl.
Der Präsident ist zufrieden, wie sich die Mannschaft bisher präsentiert. Nach dem 2:2 neulich gegen Fortuna Köln habe in der Kabine „so eine Stimmung geherrscht, als hätten die Burschen zweistellig verloren“, schildert Schwabl. Nach dem ersten Auswärtssieg letzte Woche hingegen habe es „zehn Minuten gedauert, bis sie mal die Musik angemacht haben und ein bisserl ins Feiern gekommen sind“. Für den Klubchef sind das Indizien, dass die Spieler wissen, dass sie noch keine große Nummer sind. „Ich bin optimistisch“, meint er, „aber wir sind auch alle immer auf der Hut.“ ANDREAS WERNER