Augsburg – Die Scouting-Abteilung des FC Augsburg hatte im letzten Jahr danebengegriffen: Spieler wie Georg Teigl, aus Leipzig gekommen, der Japaner Takashi Usami, der Schalker Marvin Friedrich und der noch im Winter von Lazio Rom verpflichtete Moritz Leitner stehen auf der Payroll, schaffen es aber nicht in den 18-Mann-Kader, wenn Bundesliga ist. Stefan Reuter, der Geschäftsführer Sport, wird in Augsburg zunehmend kritisch gesehen, ebenso wie sein als Technischer Direktor für die Transferaktivitäten zuständiger Kompagnon Stephan Schwarz. Ihnen hat es ganz gut getan, dass das 2:2 gegen Borussia Mönchengladbach, das sich aufgrund einer starken zweiten Halbzeit wie ein Sieg anfühlte, für ein Funktionieren des Scoutings sprach. Und nebenbei auch für das Geschick von Trainer Manuel Baum, der ja auch nicht unumstritten ist.
Das 2:2 kurz vor Schluss erzielte Sergio Cordova, der in eine Flanke von Marcel Heller hineinstürmte und den Ball in Volley-Perfektion im Gladbacher Tor versenkte. Cordova ist neu in der Bundesliga, frisch importiert vom FC Caracas aus Venezuela, und er hat – ist heutzutage im Fußball kein Geld mehr – nur eine Million Euro gekostet.
Ein bisschen kann man ihn kennen, wenn man im Sommer die U 20-Weltmeisterschaft verfolgt hat. Bei diesem Turnier erzielte Sergio Cordova vier Tore, eines davon zum Auftakt gegen die deutschen Junioren (Endstand 2:0). Die Venezolaner kamen bis ins Endspiel. „Danach hatten ihn mehrere Klubs auf der Rechnung“, so Stefan Reuter, „aber wir standen schon vor der WM in Kontakt, deshalb hatten wir die Nase vorn“.
Nun läuft das Projekt Integration. Der FC Augsburg hat unter seinen Angestellten einen Halb-Chilenen, der sich um Cordova kümmert und bei den Taktik-Lektionen den Trainer ins Spanische übersetzt. Mittelstürmer Alfred Finnbogason, polyglotter Isländer, kann mit Cordova ebenfalls in dessen Muttersprache kommunizieren. Manuel Baum beschreibt den gerade erst 20 gewordenen Offensivmann als eher anti-südamerikanisch. „Er ist kein Laissez-faire-Typ, er ist sehr zielstrebig. Das Gesamtpaket ist hervorragend.“
Sergio Cordova kam in der 75. Minute ins Spiel, er wurde zusammen mit Marcel Heller (Zugang aus Darmstadt) und Rani Khedira (Zugang aus Leipzig) eingewechselt. Drei auf einmal – ungewöhnlich. „Aber ich hatte das Gefühl, das uns die Körner ausgehen“, erklärte Trainer Baum und war zufrieden, „dass ich gute und fitte Qualität von der Bank bringen konnte“. Ist ja auch ein Thema in Augsburg: der üppige Kader (34 Profis), der bis Schließung des Transferfensters am 31. August wohl nicht mehr entscheidend reduziert werden kann.
Marcel Heller, der das 2:2 vorbereitete, war nicht damit einverstanden, dass er nur den Joker geben durfte. Triumphierend richtete er nach seiner Präzisionsflanke einen Hinweisfinger in Richtung der Bank. „Ich bin ein emotionaler Spieler, das ist nicht böse gemeint“, erläuterte der Außenstürmer.
Weil die Aktion einen Lebenszeichen-Sturmlauf (24 Torschüsse gegen in der zweiten Halbzeit kaum noch präsente Gladbacher) des Abstiegskandidaten Nummer eins krönte, nahmen die FCA-Bosse die Sache locker. Reuter: „Marcels Vorlage kam von der gegenüberliegenden Seite. Er wollte halt, dass wir auf der Bank sehen, dass sie von ihm war.““