Die „Luschen“ ganz oben

Lachnummer mal anders

von Redaktion

Es wird interessant sein zu beobachten, wie Kyriakos Papadopoulos ab sofort in Auswärtsstadien empfangen werden wird. Denn nimmt man die Schwalbe als Vergleichswert, die Timo Werner zum Buhmann einer ganzen Fußball-Nation machte, hat der Hamburger den Leipziger getoppt. Ein griechisches Schauspiel in mehreren Akten wurde am Freitag geboten, ohne Fremdeinwirkung, dafür mit jeder Menge Theatralik und einem sterbenden Schwan in Perfektion. „Nur weil ihr das Messer in Papadopoulos’ Brust nicht sehen könnt, heißt das nicht, dass er es nicht spürt“, schrieb ein User auf Twitter. Nichts Neues also: Der HSV erntet Hohn und Spott.

Hätte diese Partie gegen Köln ein anderes Ende genommen, wäre das Bild des angeblich so hart getroffenen – später aber blöderweise vom Videoassistenten als Schauspieler identifizierten – Verteidigers das Motiv des Tages geworden. Hamburg am Boden, typisch Chaosklub, was haben wir gelacht! Weil an diesem zweiten Spieltag aber auch etwas passierte, das so gar nicht HSV-like (3:1-Sieg) war, wurde die Szene zum Randmotiv. Deutlich gefragter, ja – ein echter Renner, war: Die Tabelle, die die Hamburger für 18 Stunden und 48 Minuten an erster Stelle zeigte.

Nur weil das Spiel mehr als zehn Minuten unterbrochen war (Schiedsrichter-Auswechslung), konnten Spieler und vor allem Funktionäre die ihnen eigentlich zustehenden obligatorischen 19 Stunden eines Freitag-Spitzenreiters nicht vollends auskosten. Aber auch so war dieses ungewöhnliche Bild Balsam auf die Seelen aller, die diesem Klub seit Jahren bzw. Jahrzehnten die Treue halten. Zuletzt 2009 Tabellenführer, seit Jahren im Abwärtsstrudel, im Mai so gut wie abgestiegen, im Pokal blamiert, von Investor Klaus-Michael Kühne als „Luschen“ bezeichnet – und plötzlich ganz oben. Es gibt sie also doch noch, die kleinen Wunder im Fußball. Gesprächsstoff für jeden Stammtisch. Endlich mal was los.

Na gut, jetzt stehen doch wieder Dortmund und Bayern vorne, aber der HSV spielt ja weiter mit im Konzert der Großen. Unverhofft kommt oft. Und weil die DFL kurioserweise den Hamburgern auch am dritten und vierten Spieltag die Ehre erteilt hat, den Spieltag zu eröffnen, lohnt es sich ab jetzt, freitags besonders hinzusehen. Wie geht das griechische Schauspiel weiter: Mit weiteren 19 Stunden Ruhm – oder doch wieder als kollektive Lachnummer?

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