Neue Saison, altes Thema

von Redaktion

Nach nur zwei Spieltagen wird Thomas Müllers Rolle beim FC Bayern wieder zum Aufreger

von marc beyer

Bremen – Die gute Nachricht ist, dass das Zwinkern noch wunderbar funktioniert. Thomas Müllers Augen funkelten, als er den Interviewraum des Bremer Stadions durchquerte und bei den Münchner Reportern vorbeikam. Er wusste natürlich, dass ein Müller-Kommentar zu diesem Spiel und dem 2:0-Sieg sehr gefragt sein würde. Aber er ging schnurstracks Richtung Kabine, immerhin mit seinem typischen Müller-Zwinkern. Er sah aus, als habe er an der Weser eine Menge Spaß gehabt.

In Wahrheit ist der Samstagnachmittag für ihn ganz und gar nicht unterhaltsam gewesen. Zur allgemeinen Überraschung fand sich der Träger des inoffiziellen Titels „Gewinner der Vorbereitung“ am zweiten Spieltag in der Rolle des Zuschauers wieder. Die erste Stunde des Spiels verbrachte er auf der Bank, und als er sich um 16.49 Uhr zum Aufwärmen begab, klatschte ihn zwar Werder-Trainer Alexander Nouri freundlich ab, aber die nette Geste konnte Müllers Stimmung auch nicht heben. Das zeigte sich, als er unmittelbar nach dem Spiel dem ARD-Hörfunk ein Interview gab und auf die Frage nach seiner Reservistenrolle schneidend entgegnete, er wisse nicht, „welche Qualitäten der Trainer sehen will, aber meine sind scheinbar nicht hundertprozentig gefragt“.

Nach nur zwei Spieltagen steht damit ein Thema wieder auf der Agenda, das die Bayern schon in den vergangenen zwei Spielzeiten beschäftigt hat. Dass in einer Ansammlung von Weltstars nicht jeder spielen kann und die Bank oft prominent besetzt ist, gehört zum Alltag eines Spitzenklubs. Doch bei niemandem sorgt es verlässlich für so viel Unruhe wie bei Müller, dem Liebling der Basis und der größten Identifikationsfigur der Bayern. Unter Pep Guardiola und Carlo Ancelotti war er in wichtigen Spielen häufig zweite Wahl.

Am Samstag musste er seinen Platz hinter den Spitzen für den genesenen Thiago räumen. Ancelotti nannte später taktische Gründe für seine Entscheidung. Er habe das Spiel breiter anlegen wollen, und auf den Flügeln sieht er – zurecht – Müller, den Wuseler und Lückensucher, nicht optimal aufgehoben. Thiago, Nutznießer dieser Planspiele, konnte das Spiel gegen die massiv verteidigenden Bremer, die dem Gast mit einer Fünferkette Paroli boten, allerdings kaum beleben. Am Ende musste es wieder mal Robert Lewandowski mit zwei Toren richten gegen zunehmend müde Hanseaten. Der Spanier wiederum agierte am überzeugendsten in der letzten Viertelstunde, als er eine Position nach hinten gerückt war. Vor ihm spielte nun Thomas Müller.

Die Bayern wissen selbst, welches Reizpotenzial die Personalie hat, zumal die Lage sich in den kommenden Wochen noch zuspitzen dürfte – wenn James, Müllers etatmäßiger Hauptkonkurrent um die Position im offensiven Zentrum, seine Muskelverletzung auskuriert hat (für Kolumbiens Nationalmannschaft wurde er bereits wieder nominiert). Sie taten alles, um dem Thema an Schärfe zu nehmen. Sportdirektor Hasan Salihamidzic betonte, allen sei doch klar, „was wir an Thomas haben“, während Joshua Kimmich überzeugt war: „Nächstes Mal spielt er bestimmt wieder.“ Die Saison ist noch zu lang und die Unwägbarkeiten durch Verletzungen und sonstige Einflüsse zu groß, um sich schon jetzt mit einer Debatte womöglich epischen Ausmaßes herumzuschlagen. Sie brauchen ihren Müller und das am besten gut gelaunt.

Kurz vor der Abfahrt trat der Weltmeister doch noch mal vor die Mikrofone. Sein Gemüt hatte sich offensichtlich etwas aufgeheitert, vielleicht waren das Thema und dessen Tragweite auch in der Kabine zur Sprache gekommen. Auf die unschuldig formulierte Reporterfrage nach der Aufstellung grinste Müller jedenfalls und antwortete nur: „Netter Versuch.“ Er fand, er habe zu dem Thema schon alles gesagt, was in diesem Moment zu sagen war. Alles Weitere könne man „zu gegebener Zeit“ bereden. Wenn seine Rolle in Carlo Ancelottis Plänen für diese Saison ein bisschen klarer ist.

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