Bremen – Die Bewegungen sind immer noch die gleichen. Die Schritte sind federnd und raumgreifend, nicht anders als im Frühjahr, bevor sich Manuel Neuer in eine viermonatige Auszeit verabschiedete. Was den Rest betrifft – sein Flugverhalten, das Herauslaufen, die schnelle Spieleröffnung oder Eins-gegen-Eins-Situationen –, dazu lieferte dieser Nachmittag noch keinen Aufschluss. Dazu hätten die Stürmer des SV Werder dem Nationaltorwart schon etwas mehr Arbeit bereiten müssen.
Die positive Erkenntnis dieses Nachmittag ist, dass Neuer den ersten Ernstfall seit seiner Fußverletzung im April ohne Rückschlag überstanden hat. Einschränkend ist dazu aber festzustellen, dass dieser Ernstfall in Wahrheit nicht besonders ernst war. Einmal geriet eine Rückgabe von Joshua Kimmich einen Tick zu lang, und Neuer hatte Mühe, den Ball punktgenau zu einem Mitspieler zu bringen. Größere Komplikationen als diese Halb-, ach was: Viertelchance der Bremer musste er nicht überstehen.
Neuer war in seiner Profikarriere zuvor noch nie länger verletzt, aber auch ohne leibhaftige Erfahrung weiß er, worauf es für ihn in nächster Zeit ankommen wird: „Was jetzt hilft, sind Spiele.“ Und in diesen ist es wiederum nützlich, wenn er sich als Torwart konkret einbringen kann. Doch leider, resümierte er in den Bremer Katakomben, „habe ich nicht so viele Aktionen gehabt“.
Das kann man als Lob verstehen für die zuletzt gescholtene Abwehr, die diesmal kaum ernsthaft in Gefahr geriet. Aber auch als aufrichtiges Bedauern eines Mannes, der nicht besonders gut darin ist, untätig zu sein. Auch sein Fehlen in den kommenden beiden Länderspielen in Tschechien und gegen Norwegen ist so ein Beispiel. Theoretisch weiß Neuer zwar, „dass es nach so langer Zeit wichtig ist, behutsam wieder einzusteigen“. Doch als passionierter Allesspieler juckt es beim Zuschauen halt trotzdem: „Ich wäre schon gerne dabei gewesen.“
Seine Reizpunkte muss er sich in der nächsten Woche im Training holen – so gut es in der Länderspielpause geht. „Die Mannschaft, die jetzt da ist“, sagt Neuer, bestehe genau genommen nur aus fünf Spielern. „Und von denen sind drei Torhüter.“ mb