München – Alle Jahre wieder ist es so. Kaum hat die Saison begonnen, ist schon wieder Pause. Für die Trainer, deren Teams den Start verschlafen haben, ist das eine willkommene Gelegenheit, zwei Wochen nachzujustieren. Für diejenigen aber, die gut aus den Startlöchern gekommen sind, ist die Unterbrechung einfach nur nervig. Traditionell trifft das auf Übungsleiter des FC Bayern am meisten zu.
Pep Guardiola etwa hat Länderspielpausen gehasst, weil so gut wie immer mindestens einer seiner Profis verletzt an die Säbener Straße zurückkehrte. Carlo Ancelotti musste nun 14 Spieler in die große weite Welt ziehen lassen, von seinem 26 Mann umfassenden Kader sind noch zwölf Profis vor Ort. Da viele von ihnen – wie Manuel Neuer und Javi Martinez – aber gerade erst aus langen Verletzungspausen zurückkommen, oder aber – wie Jerome Boateng und Juan Bernat – noch mittendrin sind, steht die Konditionsarbeit im Vordergrund. Der Plan ist, zum Spiel in zwei Wochen in Hoffenheim alle Mann an Bord zu haben. Die Erfahrung lehrt: Pläne werden in Länderspielpausen oft durchkreuzt.
Wie gerne Spieler für ihre Nationalmannschaften an ihre Grenzen gehen, beweist aktuell James Rodriguez. Der Kolumbianer, der seit Anfang August wegen eines Muskelbündelrisses ausgefallen ist, reiste trotzdem in seine Heimat. Zwar werde er in der ersten Partie am Donnerstag gegen Venezuela auf Anraten von Bayern-Doc Volker Braun „auf keinen Fall“ auflaufen, ein Einsatz am 5. September gegen Brasilien ist aber nicht ausgeschlossen. Auch wenn dazu eine Absprache zwischen dem Verband und den Bayern angedacht ist – am Ende werden die kolumbianischen Ärzte entscheiden.
In München kennt man diese Situation von zahlreichen Disputen um die Gesundheit von Arturo Vidal. Der Chilene ist schon des Öfteren für sein Heimatland aufgelaufen, obwohl er nicht fit war – und fiel danach wochenlang aus. Auch diesmal wird der Trip von Vidal zu den Partien gegen Paraguay und in Brasilien der längste und anstrengendste sein, die Teamkollegen bleiben in Europa.
Mats Hummels, Thomas Müller, Joshua Kimmich, Niklas Süle und Sebastian Rudy treffen mit dem DFB-Team in der WM-Qualifikation am Freitag in Prag auf Tschechien und am Montag in Stuttgart auf Norwegen. In Gruppe A duellieren sich am Donnerstag in den Franzosen Corentin Tolisso und Kingsley Coman sowie dem Holländer Arjen Robben drei Bayern in einer vorentscheidenden Partie. David Alaba muss mit Österreich in Wales und gegen Georgien punkten, um überhaupt noch eine Chance auf die WM-Teilnahme zu haben. Thiago hofft mit Spanien auf einen Sieg gegen die punktgleichen Italiener, während die Polen um Robert Lewandowski in Dänemark und gegen Kasachstan ihren Vorsprung ausbauen wollen.
Erst Mitte kommender Woche werden die Profis in München eintrudeln. Dann stehen sieben Spiele in 22 Tagen an. Heiße Wiesn-Wochen. Alle Jahre wieder. hanna raif