Bald ist es vorüber, bald haben wir es geschafft. Je nachdem, wann diese Zeitung aufgeschlagen wird, liegt der Transferschluss noch irgendwo zwischen 60 und 50 Stunden entfernt. Dann sind die Millionen verteilt, die (meisten) Spieler da, wo sie hinwollen, und auch Aki Watzke kann sich ein Pils gönnen. Der Dortmunder Boss stand in den letzten Tagen des Wechsel-Wirrwarrs ja deutlich mehr im Mittelpunkt, als ihm liebgewesen ist. Beziehungsweise: Deutlich mehr, als einem Mann liebsein kann, der vehement die Verkürzung des Transferfensters fordert.
Man hat in den vergangenen Wochen viel gesprochen über die Kaufwut des AC Mailand, der (Stand gestern) knapp 195 Millionen Euro ausgegeben hat, und jene von ManCity, wo Pep Guardiola gar 244 Millionen in den Kader hat investieren lassen. Dreh- und Angelpunkte aber waren im Transfer-Endspurt andere Klubs. Mit dem Neymar-Wechsel von Barcelona nach Paris fing alles an, es folgte: Die Umverteilung von Millionen über die Schultern von Dembele und schließlich dessen Nachfolger beim BVB, Andrej Jarmolenko (aus Kiew). Die Summen wurden immer kleiner, der Wirbel aber war bei den drei Vereinen ähnlich groß: Sie alle mussten eines ihrer Herzstücke ziehen lassen, als die Vorbereitung längst abgeschlossen war und die Saison schon lief.
62 Tage dauert die Phase der vielen Gerüchte und Spekulationen sowie – verglichen damit – wenigen Vollzüge offiziell; inoffiziell freilich streckt sie sich in unterschiedlicher Intensität länger. Um genau zu sein: über die 365 Tage des Jahres. Watzkes Vorschlag, das Fenster vor dem Start der europäischen Ligen zu schließen, mag daher bei oberflächlicher Betrachtung durchaus sinnvoll klingen; wenn der Ball rollt, soll es um Sport gehen. Der Blick auf das verrückte Millionengeschäft, in dem die verschiedensten Interessen (Spieler, Vereine, Berater, Sponsoren etc.) bedient werden müssen, darf aber nicht derart eindimensional erfolgen.
Würde man die letzten zwei Wochen der Wechsel-Zeit abknapsen, würde sich das Schauspiel halt verschieben. Und zwar dorthin, wo es großen Klubs wehtut. Wichtige Transfers werden weit – oft Monate – vorab eingefädelt. Das wäre dann dementsprechend früher, im Saisonendspurt, wenn Titel vergeben werden. Durchschnittliche Vereine könnten den Wirbel in dieser Zeit besser ertragen. Solche, die den Anspruch haben, oben mitzuspielen, sicher nicht.
Watzke dürfte sich noch bestens erinnern an 2013: Der Wechsel von Mario Götze wurde einen Tag vor dem Champions League-Halbfinale gegen Real Madrid verkündet. Ein Einzelfall, der in Zukunft zur Regel werden könnte. Und damals war ihm nach Vielem zumute – nur sicher nach keinem Pils.