München – Auch gestern war Timo Gebhart der gefragteste Mann beim TSV 1860. Kleine Ferienabsolventen der Löwen Fußballschule umzingelten den Offensivstar, als das Training beendet war. Geduldig blieb Gebhart stehen, schrieb Autogramme auf Trikots, stellte sein Lächeln und seinen Arm für Selfies zur Verfügung. Minutenlang ging das so – bis alle versorgt waren. Und auch zuvor hatte sich der Fanliebling wie ein Musterprofi gegeben. Erschien als Erster zum Training, glänzte trotz der Hitze mit Einsatz, präzisen Pässen und Dribblings. Daniel Bierofka, der in Seligenporten (0:0) all das vermisst und seinen wichtigsten Spieler früh ausgewechselt hatte, zeigte sich angetan. „Er hat sehr gut trainiert, gestern auch schon“, sagte der Löwen-Coach: „Ich verstehe auch die ganze Aufregung nicht. Er hat ja selber gesagt, dass seine Leistung am Samstag nicht gestimmt hat.“
Damit hat Bierofka zweifelsohne recht – und trotzdem gab es etwas, dass dem Star des Teams gestunken hat. Matthias Imhof, 1994 mit 1860 aufgestiegen und jetzt Berater des Spielmachers, brachte es mit drei Tagen Abstand zur Sprache. „Die Auswechslung war völlig okay, dagegen sagt kein Schwein etwas“, so Imhof, 49, gegenüber unserer Zeitung: „Was aber nicht hätte sein müssen, war das, was hinterher kam.“ Was Imhof meint, aber nur andeutet: Bierofkas scharfe Maßregelung („Meine Entscheidung – Ende“), seine öffentliche Auskunft, dass Gebhart, 28, keine „Ausnahmestellung“ habe, er somit ein Spieler sei wie jeder andere auch im jugendlichen Löwen-Kader.
Eine Ansage, die ein stolzer Spielmacher nicht gerne hört, doch Imhof will kein großes Fass aufmachen. „Wenn du die jungen Spieler in der Mannschaft fragst, dann sagt jeder, dass es ohne Timo deutlich schwerer wäre, die Ziele des Klubs zu erreichen.“ Als ehemaliger Nachwuchsorganisator der Löwen ist Imhof bestens vernetzt. Beruflich vertritt er jetzt aber die Interessen Gebharts, daher sagt der Sam-Sports-Agent: „Timo war ein bisschen sauer, aber das ist schon erledigt. Am Freitag steht das nächste schwere Spiel an, da wird er wieder Vollgas geben. Man sollte das Thema auch nicht zu hoch hängen.“
Womit Imhof ein zweites heikles Thema angerissen hat – und ihm im selben Atemzug den Nährboden entzog. Wenn Gebhart nämlich gewillt ist, am Freitag gegen Ingolstadt II Vollgas zu geben, wie Imhof sagt, dann bedeutet das zugleich: Der U 19-Europameister von 2008 wird auch nach Ende der Sommertransferfrist Spieler des TSV 1860 sein. Eingefleischte Fans hatten sich zuletzt Sorgen gemacht, dass Gebhart noch vor dem 31. August wechseln könnte – als Folge seiner herausragenden Auftritte (vom Samstag mal abgesehen). Imhof bestätigt auch, dass „Anfragen aus der 2. Liga“ vorliegen – „die gibt es, da brauchen wir nicht drumherum zu reden“. Er sagt aber auch: „Timo hat einen negativen Ruf, daher möchte er es noch mal allen beweisen. Sein Start in die Saison war gut. Jetzt ist sein Ziel, eine starke, stabile Saison hinzulegen – und danach sehen wir weiter.“
Anders als Kilian Jakob, der wohl zum FC Augsburg wechseln wird (siehe Kasten), scheint sich Gebhart der Mission bei seinem Herzensklub verschrieben zu haben. Imhof hat mitbekommen, dass das A-Wort bei seinem Ex-Kollegen Bierofka auf dem Index steht, doch er sagt es verklausuliert: „Timo hat sportlich nur einen Wunsch: Er möchte am Ende der Saison auf dem Rathausbalkon feiern.“