München – Deutsch lernen, das war das Ziel von Kingsley Coman in seinem dritten Jahr in München. Denn der Franzose kann inzwischen zwar angeblich alles verstehen, was die Mitspieler beim FC Bayern um ihn herum sprechen, aber selbst noch nicht wirklich zur Konversation beitragen. Es liegt in der Natur der Sache, dass der 21-Jährige bislang in München – zumindest beruflich – eher als ruhiger Zeitgenosse aufgetreten ist. Gesprochen hat er mit allen nicht viel – besonders wenig aber mit Carlo Ancelotti.
Dass der Draht zum Trainer nicht der beste ist, munkelte man schon in der vergangenen Saison. Nun aber bestätigte Coman erstmals relativ offen, dass er und sein sportlicher Chef sich wenig zu sagen haben. Schon zu Vorgänger Pep Guardiola, sagte Coman gegenüber „Sky Sport News HD“, habe er „kein besonderes Verhältnis gehabt. Wir haben nicht wirklich oft gesprochen.“ Und auch mit Ancelotti rede er „nicht mehr. Das Verhältnis ist das gleiche.“ Einzelgespräche oder konkrete Tipps vom Coach hat es während der einjährigen Zusammenarbeit kaum gegeben, ein direkter Draht fehlt. Jeder macht sein Ding – trotzdem will man gemeinsam erfolgreich sein.
Davon, dass Coman einen großen Beitrag zum Erreichen der hohen Saisonziele des FC Bayern leisten wird, ist er vollends überzeugt. „Ich habe die Qualität, hier Stammspieler zu sein. Ich kann der Mannschaft von der ersten Minute an helfen“, sagte er. Dass die Verantwortlichen Ende April die Kaufoption für den zuvor von Juventus Turin ausgeliehenen Offensivspieler zogen, obwohl er in nur elf Spielen in der Startelf stand, sei kein Zufall gewesen: „Ich weiß, dass der Klub in Zukunft voll auf mich baut. Ich habe mit der Vereinsführung gesprochen und bin deswegen in München geblieben, weil man mir hier die Chance geben wird.“
In den ersten beiden Bundesliga-Spielen wurde Coman eingewechselt. Gegen Leverkusen baute Ancelotti auf Corentin Tolisso, in Bremen spielte neben Franck Ribery der genesene Arjen Robben. 34 bzw. 33 Jahre alt sind die beiden Flügelspieler inzwischen, trotzdem genießen sie das Vertrauen des Trainers. Coman glaubt, dass seine Zeit trotzdem bald kommt. „Ich bin noch jung und Franck Ribery und Arjen Robben sind eben älter“, sagte er. Gute Argumente, die allerdings mit Leistung unterlegt werden müssen. Momentan sind ihm die Altmeister noch weit voraus – nicht nur sprachlich. hanna raif