Wenn es für Interessenvertreter des Leistungssports um das Thema Doping geht, bilden sie die immer gleichen Verteidigungslinien: Tatsachen leugnen, Vorgänge verschleiern, Veröffentlichungen verhindern, Ergebnisse relativieren.
Wunderbar abzulesen ist das am Falle der wissenschaftlichen Studie, die jetzt vollumfänglich veröffentlicht wurde – und die nicht weniger besagt, als dass im Jahr vor der Leichtathletik-WM 2011 mehr als 40 Prozent der Aktiven gedopt hatten. Nach anonym gemachten eigenen Angaben wohlgemerkt.
Die ermittelten Zahlen sind hart, genügen wissenschaftlichen Kriterien. Und doch geht der Vorstand der Nationalen Doping Agentur (NADA), Lars Mortsiefer, jetzt her und versucht zu mäkeln: Man sehe „nicht alles so schwarz wie Herr Simon“ (Co-Autor der Studie), es gebe „kein Gemauschel der Verbände mehr“ und – Gipfel der Spitzfindigkeiten – man habe „Probleme“ mit den Zahlen, weil man glaube, dass „zum Beispiel Athleten mit medizinischen Ausnahmegenehmigungen für verbotene Substanzen angegeben haben, Dopingmittel zu nehmen“. Manchmal wüssten die Athleten einfach nicht, wann sie sich im Dopingbereich befänden.
Dämlicher, Entschuldigung, lässt sich nicht mehr argumentieren. Will man die Welt, zumindest den sportinteressierten und somit vielleicht informierten Teil, für dumm verkaufen? Wie es auch Funktionäre wie der Leichtathletik-Weltverbandspräsident Sebastien Coe oder IOC-Präsident Thomas Bach beim Thema Doping immer noch tun, um den schönen Schein von sauberen Sport aufrecht zu erhalten?
Dabei ist die Linie längst nicht mehr zu verteidigen. Das niederschmetternde Ergebnis der Studie war am Ende nicht mehr als die Bestätigung dessen, was halbwegs Informierte schon lange wussten, – aber nicht beweisen konnten. Jetzt liegen Zahlen auf dem Tisch, die unumstößlich sind, die den Sport eigentlich in seinen Grundfesten erschüttern müssten.
Doch da haben sie sich das nächste Verteidigungsargument wohl schon zurechtgelegt: Die Zahlen seien ja sechs Jahre alt, inzwischen habe sich vieles verbessert. Diese Behauptung ist zwar durch nichts zu belegen, als Stützgerüst für das wankende Gebäude Spitzensport aber wird sie schon noch taugen. Glauben die Funktionäre – und bekommen Recht durch Menschen, die das Spektakel weiter scheinbar ungetrübt genießen. Doping hin oder her.