München – Uli Hoeneß hat mit klaren Worten seine Position verfestigt, dass er den FC Bayern im Wettbieten um internationale Stars nicht verheizen will. „Ich möchte keinen Spieler für 100 Millionen Euro kaufen, auch wenn ich sie hätte. Dafür ist mir das Geld zu schade“, erklärte der Präsident der „Sport Bild“.
„Für uns kommt so etwas nicht in Frage“, so Hoeneß, „ich bin der Meinung: Kein Spieler der Welt ist 100 Millionen wert.“ Auch Neymar sei durch seine neue Ablösesumme nicht besser geworden, meinte der Bayern-Boss. Als man den Brasilianer einst unter Pep Guardiola aus seiner Heimat holen wollte, seien schon damals so abschreckende Winkelzüge nötig gewesen, dass man Abstand genommen habe: „So etwas machen wir nicht, basta.“
Die Bayern befinden sich in diesen bewegten Zeiten in einer verzwickten Lage. Solides Wirtschaften nach alten Kaufmannsprinzipien wird nicht mehr belohnt, solange etwa Finanziers aus Fernost sämtliche Transfer-Regularien aushebeln. Hoeneß weiß selbst: Er ist der Rufer in der Wüste. Auf der einen Seite sagt er: „Es gibt keinen anderen Verein weltweit, der mehr eigenes Geld hat. Ich betone: eigenes Geld! Das ist der entscheidende Punkt.“ Andere Klubs mögen geliehenes Geld haben oder zur Verfügung gestelltes von irgendwelchen Besitzern, die Bayern jedoch könnten auf ihr „selbst erwirtschaftetes Festgeldkonto stolz sein“. Doch Hoeneß selbst räumt auf der anderen Seite auch ein, „dass die Wirkung eines solchen Festgeldkontos nicht mehr dieselbe ist wie etwa vor zehn Jahren. Das ist gar keine Frage.“
Man ist auch gezwungen, umsichtig zu haushalten. Ein unnötiges Aufblähen des Kaders sei dabei weder möglich noch gewünscht. Dass Julian Draxler etwa ein Spieler sei, „der dem FC Bayern gut zu Gesicht stehen würde, steht außer Frage“, sagte Hoeneß. „Aber ich habe jetzt schon Bauchschmerzen, wenn alle Spieler mal fit sein sollten.“
„Ich weiß nicht, wo das alles noch hinführen soll“, beklagte der Bayern-Boss generell die Unsummen, die auf dem Transfermarkt fließen. „Wir sind an einem Punkt, wo wir verdammt aufpassen müssen. Denn irgendwann hat der Zuschauer vielleicht dann doch mal die Schnauze voll. Es ist an der Zeit, die Verhältnismäßigkeiten wieder zurechtzurücken. Man muss auch mal sagen: Es reicht!“
Der Ehrgeiz der Bayern sei, „dass wir ohne Wahnsinns-Transfers Champions League-Sieger werden. Das wäre mein Traum“, sagte Hoeneß. Der Bundesliga empfiehlt er angesichts der Transfergebahren der europäischen Klubs: „Ruhig bleiben und abwarten. Wir dürfen uns nicht treiben lassen. Irgendwann fährt der Erste mit diesen Geschäftsmethoden an die Wand.“ Das aber haben die Bayern schon öfter prophezeit. Nie kam es so weit. Und die Wahrscheinlichkeit, dass das mal eintritt, wirkt ebenfalls käuflich. Zuletzt sah es so aus, als würde sie zunehmend schrumpfen.