„Die Weltmeister bilden den Kern“

von Redaktion

Lars Stindl über das Gefüge Nationalmannschaft und Sympathien für den Videobeweis

Stuttgart – Und er ist wieder dabei: Der Mönchengladbacher Lars Stindl, 28, Nationalmannschafts-Spätberufener, steht im Kader für die WM-Qualifikationspartien am Freitag in Prag und am Montag gegen Norwegen (beide 20.45 Uhr/RTL).

-Lars Stindl, fühlt sich das Leben anders an, wenn man Nationalspieler und Confederations-Cup-Sieger geworden ist?

Es war ein schönes Erlebnis, dabei sein zu dürfen bei einem solchen Turnier. Auch wenn wir alle wussten, es ist keine WM, keine EM. Ich war froh, dass ich ein Stück weit von dem zeigen konnte, was ich drauf habe.

-Und jetzt sind Sie wieder dabei. Ist diese Bestätigung noch schöner?

Ich habe im Sommer versucht, Dinge einzubringen, um vielleicht mal wieder dabei sein zu dürfen. Das ist jetzt der Fall, und ich genieße es. Wobei schon klar ist, dass der Bundestrainer ein großes Portfolio hat mit den etablierten Spielern, denen vom Confed Cup und der U 21.

-Seit wann wussten Sie von der Nominierung?

Im Lauf der vergangenen Woche hat es mir unser Cheftrainer (Dieter Hecking, d. Red.) mitgeteilt. Er hatte sich mit dem Bundestrainer kurzgeschlossen.

-17 der 23 Spieler waren beim Confed Cup, da müssten ja eigentlich die zurückgekehrten Weltmeister ein Aufnahmeritual durchlaufen.

So wild wird’s nicht. Ich glaube, dass die Weltmeister den Kern bilden und um ihr Ritual herumkommen. Man spürt das Gefüge, das sich über die letzten Jahre und viele Turniere gebildet hat.

-Sie waren in St. Petersburg gegen Chile der Final-Siegtorschütze. Dürfte was gekostet haben.

In der Nationalmannschaft war keine Zeit für große Feiern, da ist jeder gleich in seinen wohlverdienten Urlaub gegangen. Im Verein habe ich einen ausgegeben, denn alleine schaffst du es nicht, so weit zu kommen.

-Bundestrainer Joachim Löw sagt, er erwarte um die WM-Plätze den härtesten Konkurrenzkampf seiner Amtszeit. Ist ein solches Statement anspornend oder einschüchternd?

Weder noch. Ich versuche einfach, wie beim Confed Cup in unser Spiel noch eine andere Variable einzubringen und dem Bundestrainer die Entscheidung schwer zu machen. Die Einladung honoriert ja die zuvor gezeigten Leistungen – und natürlich versuche ich, so lange wie möglich dabei zu bleiben.

-Merken Sie, dass die letzte Saison fünf Wochen länger war?

Momentan nicht. Ich muss gestehen, dass ich mir Gedanken gemacht hatte, wie eine so kurze Vorbereitung sein würde im Hinblick auf das erste Pokalspiel, wo ich schon mitwirken wollte, ob ich körperliche und konditionelle Probleme haben würde. Obwohl ich schon lange dabei bin, war das auch für mich eine neue Situation. Ich glaube nicht, dass ich in der Vorrunde die Folgen eines kürzeren Sommers spüren werde.

-Mönchengladbach, Ihr Klub, spielt in keinem internationalen Wettbewerb. Handicap, weil man sich seltener zeigen kann? Vorteil, weil man für die WM schön frisch bleibt?

Wir hätten uns schon gewünscht, international vertreten zu sein, hatten am Ende der Saison ja auch noch die Gelegenheit – aber das ist nichts Negatives in der Perspektive auf die neue Saison. Das eine oder andere Spiel weniger tut vielleicht auch gut – gerade mit Blick auf den Saisonendspurt.

-Vor einem Jahr sagten Sie in einem Interview, die Bundesliga würde keinen Videobeweis brauchen, denn sonst hätte der „Doppelpass“ am Sonntagvormittag gar nichts mehr zu besprechen. Der „Doppelpass“ debattiert nach wie vor heftig – und zwar das Thema Videobeweis.

Wir haben in Russland einen Einblick erhalten, wie der Videobeweis entsteht, wie die Abläufe sind. Ich bin seitdem für solche Neuerungen ein Stück weit offener geworden. Gerade beim Confed Cup gab es richtige und wichtige Korrekturen von Entscheidungen durch den Videobeweis, die dem jeweiligen Spiel und dem gesamten Turnier eine Richtung gegeben haben. Bei drei Gruppenspielen bleibt wenig Gelegenheit, eine Niederlage, die ungerechtfertigt war, auszubessern. Es macht das Spiel gerechter, aber man muss die Abläufe schneller gestalten. Es waren kleine Aufreger in unseren beiden bisherigen Spielen mit Borussia, aber es war am Ende alles richtig.

-Könnten Sie spontan sagen, ob am Freitag und Montag in den anstehenden WM-Qualifikationsspielen der Videobeweis überhaupt eingesetzt werden darf?

Ich weiß es nicht.

-Wir auch nicht hundertprozentig. Angefangen hat die WM-Qualifikation ja noch ohne Videobeweis.

Ach so. Ich überlege. Wir haben ihn in der Bundesliga, hatten ihn beim Confederations Cup. . .

-. . . bei der UEFA wiederum nicht.

Ich frag mal nach.

-Anderes Aufregerthema: Ablösesummen wie 222 Millionen für Neymar.

Sie sind auch für uns Fußballer nicht greifbar. In jeder Dekade hat es diese Ausreißer gegeben, ich hoffe, das ist jetzt auch nur einer und dass sich der Markt wieder beruhigt. Aber man sollte sich, wie unser Manager Max Eberl sagt, auch darauf einstellen, dass es in noch ganz andere Dimensionen gehen kann.

-Wie kam der Streik des Dortmunders Dembele bei Ihnen an?

Der Tenor in Fußball-Deutschland unter Spielern, Managern, Trainern war, dass das ein Unding ist – auch wenn, was vielleicht zu kurz kommt, der Spieler den Traum hat, bei Barcelona zu spielen. Einen Wechsel muss man heutzutage anders hinbekommen, man muss offener miteinander umgehen; so hat niemand richtig gewonnen. Grundsätzlich ist das keine Art, mit seinem tollen Beruf umzugehen.

Das Interview führte Günter Klein

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