Elfte WM – 19. Titel?

von Redaktion

Radstar Michael Teuber in Südafrika Zeitfahr-Favorit – Neu beim BSV München: Steffen Warias, Paracycler aus Zufall

Von Günter Klein

München – In Rio vorigen Sommer war auf die Paracycler Verlass, die gehandicapten deutschen Radathleten steuerten zur Medaillenbilanz des paralympischen Gesamtteams sieben Goldene bei. Warum also was ändern in den Abläufen? Wieder hielt man ein ausgiebiges Trainingslager in der Höhe von St. Moritz (1800 Meter) ab, bevor es zum Saisonhöhepunkt auf eine Interkontinentalreise ging. Heute beginnt die Weltmeisterschaft der Paracycler in Pietermaritzburg in Südafrika.

Bekanntester Deutscher im Sattel ist Michael Teuber aus Odelzhausen, er startet für den BSV München. Auch mit 49 Jahren kann er keinen Leistungsabfall verspüren. Teuber, der inkomplett querschnittsgelähmt ist, mit Hilfe von Carbonschienen gehen kann und auf dem Rad seine Kraft in den Oberschenkeln ausspielt, hat mitgerechnet: Es ist jetzt seine elfte WM, im Zeitfahren, der er auch in Rio bei den Paralympics in seiner Schadensklasse C1 gewonnen hat, ist er Favorit, der Titel wäre sein 19. Und womöglich geht auch im Straßenrennen was. „Der Kurs ist nicht sehr bergig, sodass es schwierig wird, eine Selektion herbeizuführen. Wenn es zum Sprint kommt, rechne ich mir aber Chancen auf eine Medaille aus.“ Favorit sei da jedoch der Berliner Pierre Senska, dessen Handicap nicht wie bei Teuber aus einem Autounfall herrührt, sondern aus einem angeborenen Muskelschwund an den Unterschenkeln, wodurch die Fußgelenke steif sind.

Der BSV München hat noch zwei weitere Fahrer am Start: den Regensburger Matthias Schindler und Steffen Warias. Die paralympische Karriere von BSV-Neuzugang Warias wurde von Zufallsbegegnungen bestimmt. Der heute 32-Jährige, der als Chemiker in einem Labor in Basel arbeitet, war als Baby an den Beinen operiert worden, weil er eine Fehlstellung hatte. Die konnte zwar korrigiert werden, doch ihm blieben zwei Klumpfüße und steife Sprunggelenke, die Wadenmuskulatur ist nicht voll ausgeprägt. Er hat das aber nie als Behinderung wahrgenommen: „Damit bin ich aufgewachsen, habe das Laufen gelernt und im Alltag keine großen Einschränkungen.“ Er war Radamateur, startete gegen Fahrer ohne Handicap, absolvierte den Ötztaler Radmarathon, eines der anspruchsvollsten Volksrennen.

Zufällig traf er einen Paracycler, der ihn darauf aufmerksam machte, dass er die Kriterien für eine Schadensklasse erfülle. „Sonst hätte ich nicht gewusst, dass ich da überhaupt starten könnte.“ Die Paralympics 2008 in Peking verfolgte er am Fernseher und stieg 2009 selbst ein. 2010 wurde er Weltmeister, 2016 Paralympics-Sieger. „Wir müssen in Sachen Aufmerksamkeit noch zulegen, damit die Menschen von uns wissen“, das ist eines seiner Ziele. Neben Tokio 2020 – den nächsten Paralympics.

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