Hummels wischt den Flecken weg

von Redaktion

2:1-Siegtor in der 88. Minute: DFB-Team in der WM-Qualifikation weiter ohne Punktverlust

Von Günter Klein

Prag – Nicht brillant gespielt, aber eben mit Mentalität gepunktet: Die deutsche Nationalmannschaft hat in der WM-Qualifikation den Wunsch ihres Trainers Joachim Löw erfüllt. „dass wir unsere weiße Weste bewahren“. Spiel Nummer sieben, gefordert war Sieg Nummer sieben – und den lieferte das Team. Mats Hummels köpfte in der 88. Minute zum 2:1-Endstand ein und freute sich richtig schön darüber. Klar auch: Denn elf Minuten zuvor war ein südamerikanischer Gol-Schrei durchs Prager Stadion geklungen: Der tschechische Bundesligaspieler Vladimir Darida hatte mit einem 25-Meter-Kunstschuss zum 1:1 ausgeglichen. Auf der weißen Weste war plötzlich ein Fleck. Hummels wischte ihn entschieden weg.

Hatten die tschechischen Fans schon den Glauben verloren, dass ihre Mannschaft die WM-Qualifikation noch zum Guten wenden könnte? Die Eden Arena, in dieser Form erst zehn Jahre alt, aber schön altmodisch mitten in der Stadt gelegen (Hausherr ist hier der Klub Slavia), bietet nur gut 20 000 Plätze, und die wurden nicht voll, 18 093 war die offizielle und enttäuschende Zuschauerzahl.

In einer der ersten Aktionen war klar zu erkennen, warum die Tschechen sich derzeit nicht in einer Epoche der Herrlichkeit befinden (wie noch 1996 als EM-Zweiter oder Anfang des Jahrtausends mit Stars wie Nedved, Rosicky, Koller), man schenkte den Deutschen das frühe Tor. Dann aber zeigten sie auch ansprechende Konter, die das Publikum bereitwillig annahm. In wehmütiger Erinnerung an bessere Tage. Und in der Hoffnung auf einen nordirischen Ausrutscher in San Marino (zu dem es aber nicht kommen sollte).

In der 4. Minute unterlief den von Karel Jarolim, Vater des ehemaligen Bayern- und HSV-Spielers David Jarolim, trainierten Tschechen ein Lapsus. Der Bremer Theodor Gebre Selassie spielte einen unmotivierten Pass, den Hummels abfing. Schnell gespielt auf Özil, die deutsche Überzahl im Angriff war geschaffen, Timo Werner konnte die Szene mit dem 1:0 abschließen.

Auch auf DFB-Seiten gab es einen Fehlpassspezialisten, das war Julian Brandt, der überraschend in die Startelf gelangte Leverkusener, der mit Zuspielen über fünf Meter seine Probleme hatte an diesem Abend und nach einer Stunde konsequenterweise ausgewechselt wurde. In der 16. Minute lief ihm der flinke Jan Kopic davon und forderte den deutschen Tormann Marc-Andre ter Stegen mit einem platzierten Schuss zur Parade in der Ecke. Da hatte Tschechien seine drangvollste Phase der ersten Halbzeit, einmal musste Matthias Ginter dazwischengrätschen, einmal landete ein Kopfball von Soucek auf dem deutschen Tor.

Trotzdem hatten Löws Spieler das Sagen, Mats Hummels war der zentrale Mann, hinten der Kopfballregent und auch nach vorne initiativ. Um den tschechischen Strafraum herum wurde oft der eine Pass zu viel gespielt (Lars Stindl), doch insgesamt sah es überlegen aus, was die deutsche Elf aufs Feld der Eden Arena legte. Aber Karel Jarolim begegnete den deutschen Bemühungen mit Bollwerk-Dichte: Fünferkette, davor Viererkette.

Mit der fälligen Herausnahme des indisponierten Brandt kam Antonio Rüdiger ins Spiel, Löw stellte auf Dreierkette um; Abwehrchef Mats Hummels hatte zuvor gesagt, er fühle sich in jedem System wohl. Julian Draxler, der Confed-Cup-Kapitän, war die nächste Einwechslung – für Lars Stindl, der keine wesentliche Szene gehabt hatte. Gesucht: der Ideengeber zum Knacken des Jarolim-Riegels. Mesut Özil bemühte sich zwar, auffälliger war aber seine Fleißarbeit in der Rückwärtsbewegung bei Tschechiens Kontern. Einmal zeigte Özil sogar eine Verteidiger-Grätsche. In der 77. Minute fehlte 25 Meter vor dem eigenen Kasten aber jemand, der Darida geblockt hätte. 1:1 – und die deutsche Mannschaft war mal wieder gefordert, ihre weltmeisterliche Unerschütterlichkeit zu beweisen.

Nach getaner Arbeit hastete der DFB-Tross gleich zum Flughafen. Schon eineinhalb Stunden nach dem Schlusspfiff war die Rückreise nach Stuttgart angesetzt. Mit den drei Punkten im Gepäck, die vorgesehen gewesen waren.

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