Der FC Bayern hat zwar manchen Blödsinn in die Welt des Fußballs gesetzt (GoPro-Kamera am Weißbierglasrand), macht aber nicht jeden, den andere Klubs vorgeben, mit. Wenn die Münchner einen Spieler verpflichten, gibt’s davon ein Foto: Der Neuzugang, wie er am Tisch neben Finanzchef Dreesen sitzt und ein Blatt Papier unterschreibt (das wahrscheinlich nicht der Originalvertrag ist, denn der ist mit all seinen Klauseln eher ein 30-Seiten-Stapel).
In der südeuropäischen Fußballwillkommenskultur begnügt man sich nicht mit der Darstellung eines schnöden Verwaltungsakts, da ist es üblich, dass eine namhafte Neuverpflichtung mal eben ins Stadion kommt und vor (Zehn-)Tausenden sich und seine Kunst zeigt. Bei Ousmane Dembele, der diese Woche in Barcelona vorstellig wurde, ist das – schon ein Internet-Videohit – schief gegangen. Dembele wollte sich aus dem Lauf mit der Hacke die Kugel über den Kopf ziehen – und schoss sie sich in den Arsch. Hundertundwieviele Millionen soll der Typ gekostet haben?
Wobei es über die Qualität eines Spielers nichts aussagt, ob er den Ball öfter als zehn Mal hochhalten oder einen Übersteiger gegen imaginäre Kontrahenten vollführen kann. Über manche Stars heißt es, sie seien einfach sehr gut darin, ein Spiel zu lesen – müssten die dann einfach in der Mitte des Feldes stehen und intelligent um sich blicken? Oder wie feiert man den Innenverteidiger, dessen beste Seite der scharfe flache Aufbaupass über 30 Meter ist? Wie den resoluten Abwehrspieler, der dem Sturmgenie eine Hundertstelsekunde vor dem Abschluss den Ball von der Schuhspitze grätscht? Was müsste das frisch gekaufte Kopfballmonster alleine auf dem Spielfeld zeigen, um seine neuen Anhänger für sich einzunehmen? Ein paar Luftsprünge?
In ein paar Ländern schätzt man halt diesen Zirkus. Seit ein paar Jahren zumindest. Was für eine einst nach Italien gewechselte Generation deutscher Abwehrheroen (Briegel, Kohler, Reuter) im Nachhinein das pure Glück ist, dass sie sich nicht gleich auf der technischen Ebene exponieren mussten.
Wohin entwickelt sich die Vorstellungspolitik? Setzt sich das nüchterne Modell des FC Bayern durch (so könnte er auch Dembele locken: „Du musst nicht in die Allianz Arena und den Ball jonglieren“)? Oder richtet er sich eines nicht mehr fernen Tages danach, wie es seine neuen Märkte in China, Katar und USA haben wollen? Wohl mit eher mehr Show als mit wenig.