leichtathletik

40 Prozent waren gedopt – mindestens

von Redaktion

Studie enthüllt erschreckende Zahlen bei der WM 2011 – Nur 0,5 Prozent der Getesteten als Sünder entlarvt

Von Jörg MEBUS und Kristof STÜHM

Köln Die spektakuläre Dopingstudie beschäftigte sechs Jahre lang die Juristen, der Leichtathletik-Weltverband IAAF wollte die Veröffentlichung verhindern – nun sind die erschütternden Zahlen Gewissheit. Etwa 40 Prozent der Leichtathleten bei der WM 2011 in Daegu/Südkorea waren gedopt. Die Zahl ist ebenso erschreckend wie die Tatsache, dass damals nur 0,5 Prozent der Getesteten als Sünder enttarnt worden waren.

Experten sehen in der Studie einen weiteren, äußerst belastbaren Beleg, dass die Zahl dopender Spitzensportler dramatisch höher liegt als von den internationalen Verbänden und Institutionen anerkannt. „Über Jahrzehnte wurde uns vorgegaukelt, dass man das Dopingproblem marginalisieren und individualisieren dürfe. Die schwarzen Schafe sind einzelne Sportler, oder ,nur’ Russland – und auf jeden Fall immer die anderen“, sagte der Sportmediziner und Dopingforscher Perikles Simon, der Co-Autor der Studie ist. „Die Wahrheit ist: Dieses Testsystem können wir komplett in die Tonne treten. Da gibt es gar nichts, keine Struktur, keine Idee, keine funktionierende Methodik.“

Die Studie der Universität Tübingen und der Havard Medical School, die von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA in Auftrag gegeben worden war, belegt, dass bei der WM vor sechs Jahren mindestens 30 Prozent, im statistischen Mittel aber sogar zwischen 39,4 und 47,9 Prozent (Schnitt: 43,6) der Athleten unter Dopingeinfluss standen. Bei den Pan-Arabischen Spielen in Doha, die im selben Jahr ebenfalls untersucht wurden, waren es im Schnitt sogar 57,1 Prozent der Teilnehmer, die angaben, im Zeitraum von zwölf Monaten vor dem Wettkampf gedopt zu haben.

Bei beiden Veranstaltungen resultierten die Ergebnisse aus einer anonymen Befragung unter insgesamt 2167 Athleten. Bei der WM waren es 1202 Sportler. Die Validität der Methode („Randomisierte Antworttechnik“) ist wissenschaftlich anerkannt.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann begrüßte die Veröffentlichung. „All diese Studien sind nützlich. Durch jede dieser Forschungen kann man Schwachpunkte im System aufdecken und daraus weitere Strategien für die Dopingbekämpfung entwickeln“, sagte Hörmann auf Anfrage. Die IAAF verwies auf ihre unabhängige Integritätskommission (AIU), die die Ergebnisse nicht überraschten. Man habe „keine Zeifel“, dass mehr Leichtathleten dopen, als erwischt werden, hieß es. Man arbeite daran und sei „zuversichtlich“, diese Lücke in Zukunft „zu verkleinern“.

Befragung und die Analyse basieren auf komplizierten mathematischen Formeln mit unvermeidlichen Schwankungen. „Wir sind nicht bei hundert Prozent, aber es ist eine saubere Erhebung“, sagte Simon.

Artikel 3 von 11