München – Vor vier Wochen hat der Basketballer Nikola Mirotic auf Twitter ein Foto veröffentlicht. Es ist zwei Jahre alt und zeigt Mirotic im Trikot der spanischen Nationalmannschaft, umringt von lachenden Teamkameraden, die gemeinsam mit ihm den EM-Titel bejubeln. Ein schönes Erinnerungsstück, wäre da nicht der Text, der nun auf das Foto montiert wurde. In sieben Sätzen erklärt Mirotic darin nämlich, warum er in diesem Jahr nicht an der Europameisterschaft teilnehmen wird, verziert mit den üblichen Worten. Dass es „ein Privileg“ sei für die Nationalmannschaft aufzulaufen etwa und dass er seinen Kameraden für das anstehende Turnier „viel Glück“ wünsche.
Derlei Mitteilungen waren in den vergangenen Wochen in etlichen Sprachen zu lesen. In Italienisch, Serbisch, Französisch, Griechisch, Türkisch, Polnisch, auch in Deutsch. Verfasst haben sie vorwiegend jene Basketballer, die wie Mirotic in der US-Profiliga NBA spielen. Sie sollten eigentlich die Hauptfiguren der EM werden, die morgen eröffnet und in gleich vier Ländern (Finnland, Israel, Rumänien, Türkei) ausgetragen wird. Viele von den NBA-Profis aber haben sich vorzeitig abgemeldet. Mirotic etwa, weil er sich in den USA gerade nach einem neuen Arbeitgeber umsieht. Die Deutschen Maxi Kleber (Dallas Mavericks) und Paul Zipser (Chicago Bulls), weil sie sich auf die Saison vorbereiten wollen.
Über die Sommerbeschäftigungen der Stars debattiert der Basketball schon lange. Und doch mehren sich die Hinweise, dass die Treffen der Nationalmannschaften wirklich in der sportlichen Bedeutungslosigkeit versinken könnten – ausgelöst durch den Dauerstreit der großen Basketball-Institutionen.
Im Mittelpunkt des Zanks steht die Reform des Spielplans durch den Weltverband FIBA. Nach dem Vorbild des Fußballs sollen die Nationalmannschaften nun auch während der Saison spielen. Statt wie bisher nur im Sommer treffen sich die Nationalkader nun sechsmal jährlich für je zehn Tage. Eine Vermarktungsmaßnahme, die sich auch an die Fans richtet, vor allem aber an die Fernsehsender und Sponsoren, die sich über mehr Aufmerksamkeit freuen dürfen.
Den FIBA-Strategen war natürlich klar, dass sich die NBA, die sich noch nie um andere Anliegen geschert hat, solche Strukturen nicht wird aufzwingen lassen. Es störte sie aber nicht. DBB-Präsident Ingo Weiss, als Schatzmeister selbst im Exekutivkomitee des Weltverbands vertreten, verkündete: „Es gibt auch in Spanien, Italien oder Deutschland tolle Spieler.“
Nur wird die FIBA wohl auch auf diese Topakteure verzichten müssen. Auf dem europäischen Markt ist nämlich ein weiterer Rivale hervorgetreten, dem der Weltverband derzeit nicht gewachsen scheint: die Euroleague. Sie organisiert den besten europäischen Vereinswettbewerb. Und sie ist durch Erfolg selbstbewusst geworden – in ihrem Spielplan hat sie die Nationalmannschaftsfenster geflissentlich ignoriert. Bleiben die Spieler weg, dann sind die Folgen vorstellbar. Spaniens EM-Kader etwa rekrutiert sich allesamt aus NBA- und Euroleague-Profis.
Die FIBA zeigte sich zuletzt weiter in Streitlust. Doch sie droht auch diesen Vergleich zu verlieren. Schon im vergangenen Jahr gründete sie eine Konkurrenzveranstaltung zur Euroleague: die Champions League. Nur ist diese im nur schwer verständlichen Geflecht der europäischen Klubwettbewerbe lediglich die Nummer drei.
Der Plan, die eigene Position mit Reformen zu stärken, hat den Weltverband in eine ungünstige Position manövriert. An Absagen auf Twitter werden sich die Fans wohl gewöhnen müssen.