München – Vergangenen Freitag im Trentin hatte sich Daniele Baiesi noch zurückhaltend gegeben. Natürlich beobachte man den Markt, hatte der Sportchef der Basketballer des FC Bayern da erklärt, „und wenn alles passt, werden wir etwas machen.“
Es passte dann doch ziemlich schnell. Nut gut vier Tage später war die vorläufig letzte Personalie der Münchner für die neue Saison amtlich. Jared Cunningham heißt der Mann, der den Kader der Bayern fürs Erste komplettiert. Und das ist dann doch ein Spieler einer Kategorie mit der man so nicht unbedingt gerechnet hatte. Der 26-Jährige Combo Guard hat in seiner Karriere auch schon umfangreiche Erfahrungen in der NBA gesammelt. Insgesamt 84 Spiele hat er in der besten Liga der Welt gespielt. Knapp die Hälfte davon absolvierte er an der Seite von Superstar LeBron James in den Farben der Cleveland Cavaliers.
Zuletzt soll auch der FC Barcelona seine Fühler nach dem vielseitigen US-Amerikaner ausgestreckt haben. Doch Baiesi war schlicht schneller und tütete den Handel ein. Der in Übersee nach insgesamt sechs Jahren in Diensten der Detroit Pistons bestens vernetzte Italiener („Kontakte sind das Wichtigste in der Branche“) hatte Cunningham kurz nach seinem Amtsantritt bei der NBA-Summer League beobachtet und war entsprechend angetan. „Jared kann punkten und kreieren, aber er verteidigt genauso stark, er ist multidimensional“, schwärmte Baiesi, „er hat alle Werkzeuge, einer der Top-Guards in Europa zu sein.“
Es bleibt ein kleines Fragezeichen. Im europäischen Basketball versuchte sich der Mann aus Oakland (Kalifornien) bislang noch nie. Was das bedeuten kann, haben die Bayern nicht zuletzt im vergangenen Jahr gelernt, als sie Nick Johnson aus Übersee an Bord holten. Der junge Spielmacher ließ von Zeit zu Zeit mal gehobenes Potenzial aufblitzen, ging dann aber doch fürchterlich unter.
Cunningham hat immerhin schon Auslandsfestigkeit bewiesen. Zuletzt verdingte er sich mit einem gut dotierten Vertrag in China, wo er sich nicht zuletzt durch seine 74 Punkte bei der 129:148-Niederlage seiner JiangtsuTobxi Monkey Kings gegen Furijan in Erinnerung brachte. Doch so oder so ist man bei den Bayern von einer besseren Entwicklung überzeugt. Zumal der letzte Neuzugang anders als der erst während der Saison gewechselte Johnson noch einen großen Teil der Vorbereitung mitmachen kann. „Bis zum Ligastart sind es noch fünf Wochen, das wird ihm helfen“, sagt Sportchef Marko Pesic. Möglicherweise kann Jared Cunningham bereits am Samstag im zweiten Testspiel in Bruneck gegen den Mitteldeutschen BC die Bayern-Farben tragen.
Und der Neu-Bayer, der sich mit einem vier Monate alten Sohn unter die Münchner Jung-Väter einreiht, führte sich mit forschen Tönen ein: „Ich möchte Bayern voranbringen und ich freue mich wirklich darauf dabei zu helfen, die Meisterschaft zu holen“, sagte er am Rande einer ersten Stipvisite im Audi Dome. „Sie ist mein Ziel, deshalb bin ich hier.“