perikles simon im interview

Unter Sebastian Coe hat sich im Weltverband „nichts gerändert, gar nichts. . . “

von Redaktion

Der Sportmediziner und Dopingforscher Perikles Simon (44) ist Co-Autor der Studie, im Interview erläutert er die erschreckenden Zahlen.

-Wie erleichtert sind Sie, dass die Studie endlich veröffentlicht wurde?

„Erleichtert ist das falsche Wort. Erleichtert wäre ich, wenn diese Ergebnisse in tiefgreifende strukturelle Veränderungen im Anti-Doping-Kampf und der Sportförderung münden würden.“

-„Hat die Veröffentlichung auch damit zu tun, dass unter der neuen Führung von Sebastian Coe in der IAAF ein anderer Wind weht?

„Nein, defintiv nicht. In der IAAF kann sich in puncto Doping nichts, aber auch gar nichts geändert haben, denn es gab weder einen personellen, noch einen strukturellen Wandel.“

-Was sagt die Studie über die Kontrollmethoden aus?

„Wir können alte Ladenhüter wie anabole Steroide sicher testen und entdecken, vieles andere dagegen noch nicht. Allgemein müssen die Tests genauer werden. Wir haben gerade nur etwa ein Prozent Doper, die man detektieren kann.“

-Aussage über die Athleten und die Leichtathletik…

„Der Athlet hat mit dieser hohen Quote am allerwenigsten zu tun. Er hat über Jahre hinweg verzweifelt versucht, sauber zu bleiben. Dann hat er mitunter feststellen müssen, dass seine Verbandsspitze verlogen, verbrecherisch und korrupt ist. Wenn man sagt, man muss Sportler härter bestrafen, ist man an der falschen Adresse. Zuallererst muss man sich an die Leute wenden, die bisher das Problem wider besseres Wissen ignoriert haben, oder die einen unsauberen Sport gefördert oder durch Bestechung zementiert haben. Da müssen drakonische und massive Maßnahmen her, stattdessen sehe ich Wattebäuschchen fliegen. Auf der anderen Seite sehe ich Sportler, die bei Dopingkontrollen morgens um fünf Uhr unter Aufsicht ihr Geschlechtsteil entblößen müssen. Das ist einfach nur zum Schämen. Wir haben ein System der völligen, himmelschreienden Ungerechtigkeit seit Jahrzehnten wider besseren Wissens zementiert.“

-Bei null wird die Quote aber auch im deutschen Lager nicht liegen…

„Ja, wir haben auch den deutschen Spitzensport mit diesem Verfahren untersucht. Da kamen wir auf eine Dopingquote von 6,8 Prozent. Im Jugendbereich, in den Eliteschulen des Sports lag der Wert noch weit darunter. Einen besseren Beleg dafür, dass Athleten eigentlich gar nicht dopen wollen, gibt es nicht.“

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