Volleyballer holen EM-Silber

Eine Medaille als Signal

von Redaktion

Am Ende konnten sich die deutschen Finger noch so sehr strecken – mit dem Ball spritzten die Hoffnungen auf den ganz großen Coup unbarmherzig ins Aus. Nichts war es mit dem greifbar nahen Europameistertitel für die deutschen Volleyballer. In der Rückschau macht das aber längst keinen Unterschied mehr. Die DVV-Auswahl hat ein grandioses Turnier gespielt und mit der ersten EM-Medaille überhaupt ein Stück Geschichte geschrieben.

Aber was vielleicht noch wichtiger ist: Der unverwüstliche Georg Grozer und seine Kollegen haben dem deutschen Volleyball genau in dem Moment ein Erfolgserlebnis geliefert, in dem er es am dringendsten brauchte. Denn so tief wie in den letzten Monaten war zumindest die klassische Hallenvariante schon länger nicht mehr gesunken. In der Weltliga griff man am Aufstieg in die Erstklassigkeit vorbei, die WM 2018 in Bulgarien und Italien findet ohne die deutsche Auswahl statt. So etwas ist Gift für eine Sportart, die traditionell ohnehin im Schatten der Größeren steht. Wie Handball, Eishockey oder Basketball – vom Fußball ganz zu schweigen.

Das Tief ist seit dem vergangenen Wochenende fürs Erste weit in den Hintergrund gerückt. Und die Hoffnung, dass das Tal tatsächlich schon durchschritten sein könnte, hat viel mit Bundestrainer Andrea Giani zu tun. Der Italiener, selbst als Spieler einst einer der besten seiner Zunft, hat Georg Grozer zur Rückkehr bewegt. Die Medaille in Polen trägt natürlich stark den Namen des brachialen Routiniers. Doch Giani hat in diesen schwierigen Monaten eine Mannschaft geformt, die mehr ist als nur Grozer. Die Erfahrung der Bronzehelden der WM 2014 wie Grozer, Markus Böhme oder Lukas Kampa paarte er mit Jugend – allen voran der gerade 18-Jährige Mittelblock-Entdeckung Tobias Krick.

Man ahnt: Die Mischung könnte Zukunft haben. So gesehen trifft es sich ja gut, dass der Deutsche Volleyball Verband die Dienste des Erfolgscoachs zumindest per Option noch drei Jahre sicher hat. Giani selbst musste man nach der langen Nacht in Krakau nicht weiter für diesen Zeitraum motivieren. „Wir wollen Gold“, kündigte er an. Am Ende seiner Amtszeit 2020 böte sich da eine gute Gelegenheit: Dann stehen in Tokio Olympische Spiele an.

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