München – Oft ist es schon die halbe Miete, wenn man seinen Platz in dieser Welt gefunden hat. Als sich die Profis des FC Bayern gestern vor der Partie gegen Anderlecht ordnungsgemäß zur Hymne der Champions League aufreihten, schmunzelte man über Niklas Süle, der zwischen Joshua Kimmich und Rafinha noch baumlänger wirkte als gewöhnlich – und man notierte auch, wo sich Robert Lewandowski platziert hatte: Zwischen James und Franck Ribery, in der noblen Künstlerecke des Kaders, zwischen zwei Münchnern, die international mit das meiste Renommee vorweisen können.
Der Auftakt in der europäischen Eliteklasse fand gestern auch unter dem Eindruck des Interviews statt, mit dem der Pole ziemlich deutliche Zweifel an der Wettbewerbsfähigkeit der Münchner angemeldet hatte, zumindest im kontinentalen Vergleich. Wer laute Töne spuckt, sollte danach seinen Mann stehen, und Lewandowski machte sich da auch nicht lange angreifbar. In der zwölften Minute nahm er einen feinen Ball von Corentin Tolisso im Stile europäischer Eliteklasse mit, wurde dann zu Fall gebracht und verwandelte den Elfmeter ohne Probleme. Vor der Partie hatte die Stadionregie nicht bloß die Hymne der Champions League eingespielt, sondern auch „Satisfaction“ von den Rolling Stones, die zeitgleich das Münchner Olympiastadion rockten. Lewandowski schickte sich an, Bayerns Rolling Stone zu sein.
Trotz allem lief die Partie schleppend. Bayerns Offensive blieb trotz des dezimierten Gegners (bei Lewandowskis 1:0 war Sven Kums vom Platz gestellt worden) unbefriedigend, um bei den „Stones“ zu bleiben. Der Pole arbeitete vorne, aber auch ihm glückte im Verlauf nicht alles. Mitte der zweiten Hälfte setzte er einen Konter eigensinnig in den Sand, die mitgelaufenen Ribery, James und Arjen Robben schimpften – zurecht. Es schadet auch nichts, seine Kollegen mal in Szene zu setzen, wenn man mit ihnen große Ziele erreichen möchte.
So ätzt und knarzt es also trotz des „Rolling Stone Robert“ vorne, und auch James tat sich schwer, in seinem ersten Spiel von Anfang an Pointen zu setzen. Der Kolumbianer bekam den Vorzug vor Thomas Müller, und erst im Verlauf der Partie fand er etwas mehr die Bindung zu seinen neuen Kollegen. Einmal versuchte er einen Hackentrick an der Seitenlinie, doch er schoss sich selbst an, die Kugel tropfte ins Aus. Keine Frage: Der Künstler hat noch reichlich Luft nach oben.
Carlo Ancelotti gelang es damit auch gestern nicht, seine Vorstellungen zu vermitteln. Über Müller sagte er gegenüber „Sky“, er habe ihn noch nie auf dem rechten Flügel eingesetzt, „weil ich nicht dumm bin“. Gestern brachte er ihn dann am Ende für Ribery, der widerwillig vom Platz ging. James rutschte für ihn von der „Zehn“ auf die linke Flanke. Irgendwie suchen sie derzeit alle ihren Platz bei den Bayern, und das blöderweise, wenn die Partie läuft.