Eigentlich hätte sich Thomas Bach, der deutsche Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, vor dem wichtigen Termin heute Abend beruhigt zurücklehnen können. Es ist ja im Vorfeld der IOC-Vollversammlung alles gerichtet worden: Die ehrenwerten Mitglieder des Weltsport-Dachverbandes müssen nur noch zustimmen, dass die Sommerspiele 2024 nach Paris gehen werden und die vier Jahre später nach Los Angeles. Alles klar für die historische Doppelvergabe.
Doch irgendwie kann das IOC (wie im Übrigen auch sein Fußball-Pendant FIFA) die Schatten seiner Vergangenheit nicht abstreifen. Immer wieder soll es bei der Vergabe von Sport-Großereignissen zu bedeutenden Geldflüssen hinter den Kulissen gekommen sein. Einfach ausgedrückt: Sie waren allem Anschein nach gekauft.
Jüngster Fall: Die Sommerspiele von Rio. Ausgerechnet OK-Chef Carlos Arthur Nuzman steht in dringendem Verdacht, beim „Erwerb“ der Spiele im Jahr 2009 entscheidend beteiligt gewesen zu sein. Die brasilianische Justiz hat Haus und Konten durchsucht, den Pass eingezogen. Nuzman, bezeichnenderweise Ehrenmitglied des IOC, wird die Abstimmung heute in Lima wohl verpassen.
Im Mittelpunkt der Diskussionen steht er dennoch. Weil er das vorläufige Ende einer Reihe bildet, in die zum Beispiel Atlanta gehört (1996 fanden dort die sogenannten Coca-Cola-Spiele statt). Vermutlich aber auch Tokio, das französischen Ermittlern aufgefallen ist, weil beim Zuschlag für 2020 wie im Falle Rio Geld an das ehemalige IOC-Mitglied Lamine Diack geflossen sein soll.
Diese Altlasten holen das IOC immer wieder ein. Und Bachs Sätze wie „Wenn Beweise vorgelegt werden, werden wir handeln“ oder „Keine Organisation in der Welt ist immun“ klingen auf der einen Seite zwar plausibel, auf der anderen aber auch hilflos.
Im günstigsten Falle bringt die heutige Doppelvergabe für die kommenden acht Jahre ein wenig Ruhe. Allzu groß freilich sollte die Hoffnung nicht sein, wenn man die gewaltigen Summen betrachtet, die im und ums IOC bewegt werden. Los Angeles etwa wurden mindestens 1,5 Milliarden Euro dafür zugesagt, dass es hinter Paris zurückstand. Das muss man nicht mit Korruption in Zusammenhang bringen – man muss es sich allerdings leisten können.