Benennung der EM-Spielorte 2024

. . . und München lacht

von Redaktion

Bitterböse ist gar kein Ausdruck. Und alle, die an diesem Tag in das Gesicht von Franz Böhmert blickten, wissen heute noch, warum. Als der DFB die zwölf Spielorte für die WM 2006 vorstellte, schmiss der damalige Aufsichtsratsvorsitzende von Werder Bremen mit Worten um sich, die lange nachhallten. Auszüge: „Der DFB ist für mich tot“, „hier hat der Kanzler entschieden“ und „das ist die größte Schweinerei, die ich je erlebt habe“. Erzürnt hatte den inzwischen verstorbenen Funktionär die Tatsache, dass das Weserstadion nicht dabei war. Die Hansestadt war kein guter Verlierer, der Stachel saß sehr lange sehr tief.

Bei der offiziellen Vergabe hatte sich Franz Böhmert tapfer Film um Film der auserkorenen Städte angesehen, nur auf Bilder aus ,seinem’ Bremen hatte er vergeblich gewartet. Diejenigen, die nicht mitspielen durften, wurden verschwiegen, einfach nicht gezeigt. Die Präsentation war freilich unglücklich, schlechte Nachrichten kann man durchaus schonender überbringen. Aber ganz egal, was sich der DFB heute einfallen lässt, um die zehn Spielorte für die deutsche Bewerbung um die EURO 2024 zu benennen: Es wird wieder vier „Fälle Bremen“ geben.

Von 14 Bewerbern dürfen – im Falle der erfolgreichen deutschen Bewerbung – nur zehn die EM-Spiele in sieben Jahren ausrichten. Bremen steht wieder auf der Liste der Wackelkandidaten, genauso wie wohl Düsseldorf, Mönchengladbach, Hannover und Nürnberg. Ihnen allen wird es wenig helfen, dass der DFB beim Stadion-Casting nach eigenen Angaben erstmals auf ein faires und transparentes Auswahlsystem setzt. Ein „Leitbild der Präsidiumsentscheidung“ soll die Kür sein, der Bericht der Bewerbungskommission wird sogar im Internet veröffentlicht. Es darf bezweifelt werden, dass das den Schmerz um die verpasste Chance lindern wird.

Während andere zittern, stehen in der Allianz Arena die Sektflaschen schon kalt. Denn sollte sich der DFB gegen die türkische Bewerbung behaupten, wäre Fröttmaning der erste und bisher einzige Standort des Kontinents, an dem Spiele zweier Endrunden hintereinander ausgerichtet würden. An Tagen wie dem heutigen zeigt sich erneut, wie sehr sich der nicht unumstrittene Bau der Arena gelohnt hat. Für den FC Bayern und den DFB sowieso, aber auch für die Stadt und ihre – großteils sportbegeisterten – Bewohner.

Die Vorteile für Wirtschaft, Tourismus etc. liegen auf der Hand. Um bei den sportlichen Emotionen zu bleiben: Zwei Großereignisse binnen vier Jahren sind zumindest ein hübscher Trost dafür, dass Olympische Winterspiele der Landeshauptstadt in nächster Zeit nicht vergönnt sein werden. Man erinnert sich noch gut an das Sommermärchen 2006. Nicht nur Franz Böhmert hat schon vier Jahre zuvor geahnt, dass es schön sein würde, dabei zu sein.

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