München – Natürlich hätte Mats Hummels auch wortlos nach Hause gehen können. Man hätte es ihm am Dienstag nachgesehen, schließlich hatte der Abwehrchef nichts beigetragen zum Sieg über den RSC Anderlecht. Andererseits ist es immer ein Thema, wenn ein Weltmeister auf der Bank sitzt, selbst wenn dieser Weltmeister nicht Thomas Müller heißt. Hummels berichtete also, der Trainer habe ihm seine Entscheidung nicht erklärt. Doch bevor daraus eine Skandalmeldung werden konnte, schob er bereits hinterher: „Mit mir muss auch niemand sprechen.“ Selbst ohne klärende Worte hatte er verstanden, dass eine Auszeit in seinem Beruf halt manchmal sein muss: „Ich kann nicht 65 Spiele in der Saison machen.“
Wenigstens im Abwehrzentrum, wo nach der Rückkehr von Jerome Boateng nun noch mehr Qualität für lediglich zwei Planstellen zur Verfügung steht, droht den Bayern damit vorerst kein weiterer Brandherd. Auch Boateng, der mit Comebacks in den letzten Jahren unfreiwillig viel Erfahrung gemacht hat, lässt es erst mal entspannt angehen. In anderen Mannschaftsteilen könnte man aus seinem Bekenntnis, er fühle sich jetzt sehr gut, einen drohenden Unterton heraushören („also will ich auch spielen“). Doch der Innenverteidiger weiß selber, dass er noch einige Geduld braucht. „Nach und nach“ wolle er den Rückstand verkürzen und sich in dieser Zeit ruhig verhalten. Es gebe eh schon „zu viele Nebengeräusche“.
Boateng ist lange genug bei den Bayern, um zu wissen, dass selbst nach den Maßstäben dieses notorisch aufgeregten Klubs gerade außergewöhnlich große Unruhe herrscht. Irgendeiner ist immer sauer, doch aktuell stellt sich eher die Gegenfrage: Ist noch jemand zufrieden? Und gibt es dafür überhaupt einen Grund?
Carlo Ancelotti reagiert auf die jüngsten Krisenherde in einer Weise, die in besseren Zeiten als tiefenentspannt gelobt worden wäre. Jetzt mutet sie beinahe hilflos an. Der Mann, der mit Stars angeblich so gut umzugehen weiß, steht nun im Mittelpunkt von Spekulationen, die für ihn wenig schmeichelhaft sind. Am Mittwoch machte eine Meldung des Fernsehsenders ESPN die Runde, wonach sein Drei-Jahres-Vertrag, der eigentlich bis 2019 läuft, aufgrund einer Klausel bereits 2018 aufgelöst werden könnte. Eine Reaktion des Vereins gab es darauf nicht.
Verträge, das weiß man nicht erst seit der jüngsten Transferperiode, sind im Fußball kaum noch mehr als unverbindliche Absichtserklärungen. Ohne Klausel wäre Ancelottis Position beim FC Bayern nicht viel sicherer als mit. Aber in einer Phase, in der einige der größten Stars auf vollkommen unterschiedliche Art rebellieren und die Spielkultur sich weit unter den Ansprüchen der verwöhnten Bayern-Bosse bewegt, fügt sich die Meldung nahtlos ein in das Bild eines Vereins, dem in naher Zukunft gravierende Veränderungen bevorstehen könnten.
Passend dazu kursiert noch ein zweites brandneues Ancelotti-Gerücht. Nach seinem Engagement in München ziehe es ihn wieder zurück nach England, wo er 2010 mit dem FC Chelsea das Double gewann. Vielleicht ist das alles am Ende auch nur pure Spekulation. Meist haben diese Gerüchte aber doch einen wahren Kern. marc beyer