Kölns Rückkehr in den Europacup

Chaos mit Ansage

von Redaktion

Ein paar Slogans aus der Bundesliga sind den Fans in anderen europäischen Ländern ein Begriff. Klar, das Münchner „mia san mia“ kennt man, die Dortmunder „echte Liebe“ haben auch schon einige gehört. Aber was „spürbar anders“ bedeuten soll, wussten außerhalb Deutschlands – oder besser: außerhalb des Rheinlandes – bisher die Wenigsten. Als die Marken-Botschaft vorgestellt wurde, sprach Geschäftsführer Alexander Wehrle von einer „einzigartigen Symbiose“ zwischen dem 1. FC und Stadt Köln: „Das steckt hinter diesen Slogan. Den wollen wir leben.“

Am Donnerstag in London wurde er gelebt – und zwar gleich in mehreren Ausprägungen. Zunächst friedlich, eindrucksvoll, beim gemeinsamen Marsch von 10 000 Fans, die nach 9115 Tagen Abstinenz bei der Rückkehr ihres Klubs auf die europäische Bühne dabei sein wollten. Später dann nicht mehr ganz so friedlich, kein bisschen eindrucksvoll, als die Partie um eine Stunde verschoben werden musste, weil vor dem Emirates-Stadion ein heilloses Chaos ausbrach. Festnahmen, Schlägereien, ein versuchter Block-Sturm, Bengalos: Das Licht, in das der 1. FC Köln und somit der deutsche Fußball gerückt wurden, ist nicht schmeichelhaft; die (wenigen) Chaoten sind zu bestrafen. Und trotzdem sollte man in diesem Fall die Begleitumstände nicht außer Acht lassen. Denn das Chaos von London war eines mit Ansage.

Mit der freundlichen Anfrage nach der Erhöhung des Ticketkontingents sind der 1. FC Köln und seine Anhänger seit Wochen auf taube Ohren gestoßen. Dass aber mehr Fans die Mannschaft begleiten würden als jene 2900, die offiziell eine Eintrittskarte hatten, war genauso zu erwarten wie die zeitgleiche Ankunft von rund 10 000 Köln-Anhängern am Stadion. Sicherheitskräfte und Polizei waren dennoch überfordert, die Abfertigung geriet aus dem Ruder. Die bei der Ticketvergabe gemachten Fehler fanden in diesen Momenten ihr unschönes Ende.

Man nehme mal an, der FC Arsenal hätte mit Weitsicht geplant: Dann hätte er ahnen können, dass die Europa League die eigenen Anhänger nicht wirklich hinterm Ofen hervorlocken wird. Und er hätte auch einkalkuliert, dass die Tickets, die letztlich für Spott-Preise verkauft wurden, über den kleinen Umweg des Schwarzmarktes in Kölner Händen landen würden. Die logische Konsequenz wäre gewesen, die Karten in den Bereichen um den Gästeblock freizugeben. Auch dann wären zwei Drittel des Stadions noch in Arsenal-Hand gewesen. Und ein Drittel so „spürbar anders“, wie der Slogan eigentlich gemeint ist.

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