Hart erkämpfter Sieg, teuer erkauft

von Redaktion

Daniel Wein schenkt Fürth spät ein, die Löwen verlieren aber mit Karger und Weber zwei weitere Stützpfeiler

von uli kellner

München – Kaum war die dreiminütige Nachspielzeit zu Ende, wurde ein Stimmungshit nach dem anderen eingespielt. Da schien ein gut vorbereiteter Optimist an den Reglern gesessen zu sein, denn lange hatte es nicht so ausgesehen, als würde das noch der Abend der Löwen werden. Mit einem späten Tor aus dem Hinterhalt erlöste Daniel Wein die Gastgeber (79. Minute), die früh auf Torjäger Nico Karger und Kapitän Felix Weber verzichten mussten. Und es kam sogar noch besser: Schweinfurt, das früh in Rosenheim 2:0 geführt hatte, büßte spät zwei Punkte ein. „Es ist ein hart erkaufter Sieg für uns“, sagte 1860-Trainer Daniel Bierofka zur unerwarteten Wende zum Guten: „Normal verlierst du so ein Spiel dann noch. Da sieht man mal, was für einen tollen Charakter die Mannschaft hat. Sie hat nie aufgegeben und bis zum Schluss alles für den Sieg gegeben.“

Im Vorfeld der Partie war ja viel von den Serien die Rede, die dem TSV 1860 den Weg an die Tabellenspitze geebnet hatten. Die fast makellose Heimserie, die Zu-Null-Serie, die Torserie von Nico „King“ Karger. Was zusätzlich in den bunten Blättern thematisiert wurde, war die ungünstige Serie der Löwen, das Oktoberfest betreffend. Wann immer die Spieler aus PR-Gründen in Wiesn-Trikots gezwängt wurden (insgesamt fünfmal), sprang kein Sieg heraus, was das eher unauffällige Design erklären könnte, das Textilchef Roland Kneißl seinen Löwen diesmal verpasst hatte. Weißes Trikot mit minimalen Trachtenrauten, auch der Rest weiß und ohne Schnickschnack. Eine optische Herausforderung waren dagegen die Gäste, die von den Schultern bis zu den Wadeln in Textmarker-Orange antraten.

Sportlich sorgte Bierofka für eine Überraschung, indem er derselben Startelf und demselben System (4-2-3-1) vertraute wie beim 3:0 in Garching. Beim Auswärtssieg vor den Toren der Stadt hatten die Löwen eine beeindruckend reife Leistung geboten. Eher ausgewogen dagegen verlief die Startphase gegen technisch beschlagene und physisch wehrhafte Fürther.

Wie beim letzten Heimauftritt, dem 0:0 gegen Ingolstadt II, kamen die Löwen zu etlichen Chancen, mit denen sie gewohnt verschwenderisch umgingen. Der nimmermüde Sascha Mölders traf früh die Latte (20.), ebenso Daniel Wein nach einem schön geschlenzten Freistoß (43.).

Eine weitere Analogie betraf das Verletzungspech, das die Löwen erneut heimsuchte. Nach Timo Gebhart vor 14 Tagen (Muskelbündelriss) erwischte es diesmal Weber und Karger. Beide mussten noch vor der Pause raus. Weber in der 31. Minute mit lädiertem Außenband, Karger wenig später nach einem Schlag auf das Schienbein. Beide wurden umgehend zu MRT-Untersuchungen ins Krankenhaus gefahren. Offenbar aber nichts Ernstes, wie Bierofka hinterher andeutete.

Die Reaktion des Heimpublikums zur Pause fiel dennoch bitterböse aus: Wüste Pfiffe, teilweise auch Beschimpfungen in Richtung des Unparteiischen. „Ich war auch irritiert über die Regelauslegung des Schiedsrichters, um das mal netter auszudrücken“, ließ selbst Bierofka sanfte Kritik anklingen.

Kindsvater, der für Karger kam, besetzte in der zweiten Hälfte die rechte Außenbahn. Köppel, Webers Vertreter, übernahm seinen alten Platz links hinten, dafür ging Berzel in die Innenverteidigung, Steinhart gesellte sich zu Wein in die Defensivzentrale. Die Linie war zunächst aber raus aus dem Spiel der Löwen. Die erste Großchance nach der Pause verzeichneten die Fürther: Maderer zwang 1860-Keeper Marco Hiller zu einer Glanzparade (62.).

Als sich viele bereits auf eine weitere Nullnummer einstellten, sorgte Markus Ziereis mit einer verpassten Chance für einen kollektiven Aufschrei. Alle waren plötzlich wieder wach – nur die Fürther nicht. Mit einem verdeckten Schuss nach einem abgewehrten Eckball sorgte Wein für die Führung, die bis zum Schluss Bestand hatte. Wiesn-Laune gerettet. Allen voran bei Wein. „Eine Mass Alkoholfrei wird der Trainer schon erlauben“, hofft er.

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