München – Fragen kann man ja mal, auch wenn sich die Antwort bereits erahnen lässt. Uli Hoeneß hat unendlich viel Erfahrung mit neugierigen Medienmenschen, und er lässt sie das gerne spüren. Wenn sie ihn in der Interviewzone der Arena bestürmen, ist die Antwort immer die gleiche. Hoeneß verlangsamt den Schritt ein wenig, weckt zarte Hoffnung und enttäuscht sie gleich wieder mit einem süffisanten „Schönen Abend noch“.
Am Freitag lief es in Nuancen anders, das Ergebnis war trotzdem das selbe. Bei einem Termin der Bayern-Basketballer sprach der Präsidentausgiebig über das Testspiel gegen Real Madrid, den neuen Sponsor und das große Ganze. Worüber er aber offensichtlich nicht Auskunft geben wollte, war die kickende Abteilung. „Nichts über Fußball“ werde er sagen, „über Basketball gerne“.
Es sind stürmische Zeiten angebrochen an der Säbener Straße, zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit. Da braucht es nicht noch einen Beitrag des Präsidenten, der die Debatten nur weiter anfacht. Wie auch immer Hoeneß zu den vielen heiklen Personalien im Kader sowie der Moderation durch Carlo Ancelotti steht, Schweigen ist in jedem Fall Gold. Indirekt bestätigte das Stunden später auch der Trainer, als er in der Pressekonferenz über die wachsende Unruhe sprach. Er wisse, „dass mir viele Menschen Ratschläge geben. Aber ich muss nicht jedem einzelnen Kritiker antworten.“
Ungefragt von allen Seiten Empfehlungen zu erhalten, ist für einen Trainer selten angenehm. Gleichwohl fällt der Präsident nicht in die Kategorie „diverse Kritiker“, weswegen intern anders kommuniziert werden dürfte. Ancelotti mag je nach Sichtweise immer ein bisschen mürrisch oder vollkommen tiefenentspannt wirken, doch dass in der aktuellen Lage besondere Maßnahmen und viele Gespräche nötig sind, muss einem Mann mit seiner Erfahrung niemand erklären.
Bei Franck Ribery zum Beispiel hat Ancelotti nicht lange gewartet. Die Bilder vom Dienstag, als der Franzose nach seiner Auswechslung das Trikot auf die Ersatzbank schleuderte, waren der sichtbarste Beweis, wie aufgewühlt die Bayern derzeit sind. Doch zumindest im Umgang mit dem Franzosen scheint der Trainer seinem Ruf als Spielerversteher, der zuletzt ernsthaft angezweifelt wurde, gerecht zu werden. Er habe keine Zeit verloren und zügig mit Ribery gesprochen, teilte er mit. Ergebnis: „Es ist gut, alles kein Problem.“
Die Bayern wären froh, wenn sich alle Unstimmigkeiten so einfach regeln ließen wie die mit Ribery oder dem ähnlich unzufriedenen Arjen Robben. Beide Flügelspieler sind leicht entflammbar, aber anschließend auch empfänglich für eine vernünftige Ansprache. Und beide identifizieren sich aufrichtig mit ihrem Klub. Über Ribery sagte Ancelotti gestern der Zeitung „Le Figaro“: „Franck ist ein offener und ehrlicher Junge. Mit ehrlichen Menschen hat man keine Probleme.“
Das Bundesligaspiel gegen Mainz 05 soll helfen, sportlich und atmosphärisch etwas Ruhe einkehren zu lassen. „Wir sind weder ganz oben noch ganz unten“, sagt Ancelotti, aber der Vorteil englischer Wochen liege in der Möglichkeit, „es schnell besser zu machen“. Dann, kalkuliert er, wären die Themen bald wieder andere.
Ein Thema werden Ancelotti und die Bayern aber so schnell nicht los werden. Die angebliche Ausstiegsklausel, die der Verein 2018 aktivieren könnte, beschäftigte den Italiener auch am Freitag. Normalerweise rede er nicht über Verträge, „aber ich kann sagen, dass mein Vertragsende am 30. Juni 2019 ist“. Genau genommen ist das aber gar kein Dementi. Die Laufzeit würde sich ja erst dann andern, wenn Bayern auf die Klausel zurückgreift.
Was auch immer passiert, das letzte Kapitel der Saison hat Ancelotti bereits vor Augen. Er werde „eine große Party veranstalten, Mit gutem Wein und gutem Essen.“ Ob es dort Titel zu feiern gibt oder man freundlich Abschied von einander nimmt, darüber hat er nichts gesagt.