Die Blitzheilung des Doktors

von Redaktion

18 Tage nach seinem Schien- und Wadenbeinbruch ist Motorrad-Superstar Valentino Rossi zurück auf der Rennstrecke

Von Uli Schember

Misano – Einsam und allein drehte Valentino Rossi seine Runden. Durch einen Maschendrahtzaun fotografierte ein Paparazzo den Superstar aus Italien – und lieferte damit den Beweis, dass der 38-Jährige tatsächlich nur 18 Tage nach seinem Schien- und Wadenbeinbruch auf der Rennstrecke in Misano mit dem Motorrad unterwegs war. Am Wochenende will Rossi in der MotoGP schon wieder um Punkte fahren.

Der „Doktor“ tut alles für ein schnelles Comeback, denn er träumt weiter von seinem zehnten Weltmeistertitel. Die Brüche im rechten Unterschenkel, bei einer nächtlichen Operation wenige Stunden nach einem folgenschweren Motocross-Unfall mit einem Nagel fixiert, sollen ihn nicht abhalten. „Jetzt will ich so schnell wie möglich zurück aufs Bike“, sagte er am Morgen nach dem Eingriff.

Das Yamaha-Werksteam bestätigte am späten Montagabend: „Valentino Rossi hat nach seiner Beinverletzung vom 31. August die ersten Runden auf dem Misano World Circuit Marco Simoncelli absolviert.“ Wegen Regens wurden es laut Medienberichten nur vier Umläufe, eine Beurteilung seiner Fitness war deshalb bisher nicht möglich. Heute will Rossi entscheiden, ob er beim 14. von 18 Saisonläufen am Sonntag in Aragonien/Spanien (14.00 Uhr/Eurosport) antritt. Die Ärzte werden ein Wörtchen mitreden.

Rossi ist alles zuzutrauen. Dass es bei ihm nicht nur auf dem Asphalt schnell geht, hat er schon bewiesen. Vor sieben Jahren zog sich der Yamaha-Pilot einen offenen Schienbeinbruch zu, sechs Wochen später war er zurück. Auf Krücken humpelte Rossi damals am Sachsenring vor jedem Einsatz zu seiner Maschine, biss sich durch die Sessions und wurde im Rennen Fünfter.

In dieser Saison war Rossi bislang nur einmal Zuschauer. Den Großen Preis von San Marino verfolgte er am vorletzten Wochenende zusammen mit seiner Katze Rossano auf der Couch. Erst mit Verspätung fuhr der italienische Nationalheld dann ebenfalls auf der Strecke in Misano, allein eben. Seine M1, den MotoGP-Prototyp, durfte Rossi beim Härtetest wegen der strikten Testvorschriften nicht fahren. Darum musste er auf eine Yamaha R1M zurückgreifen.

Wenn es irgendwie geht, wird Rossi am Wochenende beim Grand Prix von Aragoniensein Glück versuchen. Im Zweifel gegen jede Vernunft, Schmerztabletten dürften unerlässlich sein. Mit 157 Punkten ist er aktuell WM-Vierter, der spanische Titelverteidiger Marc Marquez (Honda) und sein italienischer Landsmann Andrea Dovizioso (Ducati) liegen mit je 199 Zählern vorn. Noch ist das WM-Rennen in der Königsklasse für Rossi nicht gelaufen, es stehen fünf Rennen aus, im besten Fall sind 125 Punkte drin. Rossi hat in diesem Jahr zwar erst einen Sieg geholt (Assen), doch er war konstant schnell und gehörte vor seinem Unfall zu den heißesten Titelkandidaten. Schon Ende Mai war Rossi beim Motocross schwer gestürzt. Verletzungen im Brustbereich sowie an Leber und Niere waren die Folge, nach einem Tag im Krankenhaus ging es weiter. Rossi ist ein Besessener.

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