Doch kein Protest

von Redaktion

Der 1. FC Köln verzichtet wegen geringer Erfolgsaussichten auf Einspruch gegen Wertung des Spiels gegen Dortmund

Von Holger Schmidt

Köln – Einen Nebenschauplatz hat der 1. FC Köln geschlossen, nun zählen nur noch Tore, Punkte und Siege. Nachdem der Verein auf den angekündigten Präzedenz-Protest gegen die Wertung der 0:5-Niederlage bei Borussia Dortmund verzichtet und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke seine „schlechte Verlierer“-Vorwürfe zurückzog, gilt nun die volle Konzentration auf die prekäre sportliche Situation. Dem heutigen Duell mit Eintracht Frankfurt kommt nach vier Niederlagen zum Auftakt – dem schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte – wegweisende Bedeutung zu.

Hauptgrund für den Verzicht auf den Einspruch war laut FC, dass trotz des irregulären Treffers zum 0:2 „die Erfolgsaussichten gering sind“. Allerdings forderten die Kölner den Deutschen Fußball-Bund (DFB) aufgrund der Unklarheiten in Sachen Videobeweis zum Handeln auf.

Die Kölner hatten sich benachteiligt gefühlt, weil der Video-Assistent ihrer Ansicht nach beim 2:0 für Dortmund durch Sokratis (45.+2) zu Unrecht eingegriffen hatte. Schiedsrichter Patrick Ittrich hatte nach Intervention des Video-Assistenten den BVB-Treffer anerkannt, obwohl das Spiel bereits abgepfiffen war, bevor der Ball die Torlinie überschritten hatte.

BVB-Boss Watzke erklärte, der Kölner Verzicht auf den Protest nötige ihm Respekt ab: „Ich bin angenehm überrascht und ziehe meinen Vorwurf, Köln sei ein schlechter Verlierer, komplett zurück.“

Nun steht für Köln nur noch die Verhandlung bei der UEFA wegen der außersportlichen Zwischenfälle von London am Donnerstag als besonderer Termin an. Doch da dieser die Mannschaft wenig betrifft, soll ihr Fokus wieder auf das Wesentliche gerichtet werden.

„Mit einem Sieg können wir eine Trendwende einleiten“, erklärte Torhüter Timo Horn. Doch der gebürtige Kölner weiß auch, dass im Falle einer erneuten Niederlage die Stimmung am Geißbockheim endgültig kippen könnte. „Ich appelliere an die Fans, weiter hinter uns zu stehen“, sagte er deshalb: „Ich kann verstehen, dass sie sauer sind. In Dortmund haben wir teils Auflösungserscheinungen gezeigt. Wir können uns nur bei ihnen entschuldigen. Aber wir brauchen sie, um weiter eine Einheit zu bilden.“

Trainer Peter Stöger, der sich um seinen Job keinerlei Sorgen machen muss, bat zwar um Ruhe, ist sich des Ernstes der Lage aber bewusst. „Ruhe würde uns ganz gut tun. Aber nur Ruhe zu bewahren, bringt Dich da nicht raus“, sagte er am Dienstag: „Man muss auch sagen, was wir verändern müssen. Das Wichtige ist, den Mittelweg zu finden, nicht alles schlechtzureden, aber auch anzupacken.“

Wie dramatisch schlecht der Start in die neue Saison ist, beweisen folgende Zahlen: Zwölf Gegentore wie nun in vier Spielen hatte der 1. FC Köln im Vorjahr erst nach dem 13. Spieltag im Dezember. Die vierte Niederlage kassierte er erst in der 20. Runde Mitte Februar.

Angesichts von bislang nur einem erzielten Tor in dieser Saison bei der Menge von Gegentreffern bleibt die Frage: Wo soll man mit der Fehler-Analyse anfangen? Wichtig wäre zunächst eine Rückkehr zur Balance. Die Niederlage in Dortmund kann nach dem Verzicht auf den Protest endgültig abgehakt werden – das hilft vielleicht.

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