Augsburg – Das ist der Reiz der frühen Saisonphase: Es entstehen anarchische Tabellenbilder, die manche Vereine sich schon auf T-Shirts geflockt haben, damit sie der Nachwelt erhalten bleiben. So ist der allgemein als Abstiegskandidat Nummer eins erachtete FC Augsburg plötzlich Mitglied der Spitzengruppe geworden, Vizemeister Leipzig hingegen Mittelfeldteam. Grau wie die Trikots, die man am Dienstagabend trug, als man sehr überraschend bei eben jenen Augsburgern 0:1 unterlag. Aus Augsburger Sicht: ein Shirt-Motiv.
Die Geschichte eines Spiels kann auch die Geschichte eines Spielers sein. Wenn einer einen Schrei rauslässt, wenn er seine Hände zu Fäusten formt, wenn die Körpersprache den Moment höchsten Glücks ausdrückt, dann ist etwas Besonderes passiert.
Michael Gregoritsch erzielte in der 4. Minute das 1:0 für den FC Augsburg gegen die Leipziger, die ja irgendwie auch Salzburger sind. Ein Tor gegen Landsleute und das auch in der Heimat kritisch verfolgte Red-Bull-Projekt tat dem Kapfenberger Gregoritsch schon mal grundsätzlich gut. Dazu kam bei ihm: Es war sein erster Treffer für Augsburg, in einer funktionierenden Mannschaft war er in den Saisonspielen eins bis drei unsichtbar geblieben, im vierten dann, beim 2:1-Sieg in Frankfurt, Reservist gewesen – „aus strategischen Gründen, denn da haben wir ohne einen Zehner gespielt“, so Trainer Manuel Baums beschwichtigende Begründung. Gegen Leipzig ließ er den aus Hamburg verpflichteten 23-Jährigen aber wieder spielen – in der Hoffnung, Gregoritsch möge seine Schusskraft beweisen. Er selber hat ja gesagt: „Ich habe einen brutalen linken Schlegel.“
Zwar verfehlte der linke Schlegel in zwei weiteren aussichtsreichen Situationen der ersten Halbzeit (2. und 13. Minute) das Ziel, doch in der 4. Minute passte alles. Caiuby und Finnbogason hatten die Leipziger Abwehr um den Schweizer Torwart Mvogo in Unordnung gespielt, Gregoritsch, der mit knapp 16 Jahren jüngster Torschütze in der österreichischen Bundesliga gewesen war, konnte einschlegeln.
Was bot Leipzig? Der Elf, die auf dem Platz stand, fehlte einiges an Prominenz. Dienstags-Spieltage sind Rotations-Spieltage. Naby Keita saß das erste seiner drei Spiele Sperre nach dem Platzverweis vom Samstag ab, Emil Forsberg fand sich auf der Bank, von den Wunderknaben spielte nur Timo Werner. Gefährlich, schnell im Antritt, einmal fiel ihm im Augsburger Strafraum der Ball vor die Füße – doch richtig große Gefahr für den FCA konnte er nicht entfachen. Überraschung zur zweiten Halbzeit: Bei Augsburg wurde der Torschütze Gregoritsch durch die defensivere Variante Koo ersetzt, der FCA rüstete sich für den Leipziger Ansturm, der ab der 60. Minute mit dem Schweden Forsberg stattfand. Leipzig suchte den Pass durch die Schnittstellen der Augsburger Abwehr, doch die Schwaben kämpften alles weg. Besonders beherzt warf sich Rani Khedira ins Getümmel, Augsburgs Ex-Leipziger.
Was für eine Schlussphase: Leipzig baute mächtigen Druck um den FCA-Sechzehner herum auf, der FCA behalf sich mit klassischen Befreiungsschlägen, hoch und weit. Ein letzter Fallrückzieher-Versuch von Timo Werner – daneben. Leipzig entgeistert, Augsburg im Freudentaumel.