Schon wieder „Koan Neuer“

von Redaktion

Platte im linken Mittelfuß: Der Nationalkeeper wurde bereits operiert und fehlt dem FC Bayern bis zum neuen Jahr

VON HANNA RAIF

Gelsenkirchen – Tübingen also, nicht Gelsenkirchen. Allein die Änderung der gestrigen Reiseroute hätte für Manuel Neuer zur denkbar schlechten Nachricht getaugt. Der Grund für die kurzfristige Planänderung aber machte die ganze Geschichte noch deutlich schlimmer. Während die Kollegen sich in der Früh auf den Weg zum Flughafen begaben, lag der Bayern-Kapitän bereits im Schwabenland auf dem Operationstisch. Und die Partie auf Schalke fand in der Gewissheit statt, dass der Nationalkeeper dem Rekordmeister nicht nur kurzfristig fehlen, sondern erst im kommenden Jahr wieder zur Verfügung stehen wird. Am Abend twitterte er gute zwei Stunden vor dem Anpfiff auf Schalke ein Foto vom Krankenbett und schrieb dazu: „Den ersten Schock und die OP gut überstanden. Danke für die vielen Genesungswünsche!“

„Dass sich Manuel Neuer erneut eine Verletzung zugezogen hat, tut uns wahnsinnig leid für ihn“, sagte Karl-Heinz Rummenigge. Der Klubboss war in der offiziellen Vereinsmitteilung um diplomatische, warme Worte bemüht, gab zu Papier, dass die „Operation optimal verlaufen“ und das „jetzt das Wichtigste“ sei. „Gemeinsam mit unserem Kapitän“, führte er fort, „schauen wir nach vorne“. Das kleine Wort „Januar“, in dem „Manuel uns wieder in alter Stärke zur Verfügung stehen wird“, wurde erst im letzten Satz erwähnt. Das ändert nichts an der Tragweite und der Tatsache, dass es Bayern viel schlimmer nicht hätte erwischen können.

Die erneute Verletzung, die dritte in diesem Jahr, die dritte an derselben Stelle im linken Mittelfuß, ist unter zwei Gesichtspunkten zu betrachten: Dem sportlichen, vor allem aber dem menschlichen. Die ersten vier Spiele nach rund fünf Monaten Verletzungspause hatten dem 31-Jährigen sichtbar gutgetan, erst am Samstag, nach dem 4:0 gegen Mainz, hatte sich Neuer voller Tatendrang gezeigt. Dieser ist nun in der Reha gefragt, für die Bundestrainer Joachim Löw prognostiziert: „Manuel hat die Persönlichkeit, Disziplin und den Willen – er wird alles daran setzen, genauso stark zurückzukommen.“

Der Rückschlag nagt dennoch enorm an ihm, freilich, er wusste schon unmittelbar nach der Aktion am Montag im Abschlusstraining, dass seine Leidenszeit nun wieder von vorne losgehen würde. Diesmal wurde gleich eine Operation angesetzt, weil die konservative Behandlung, mit der er den im April in Madrid erlittenen Bruch behandelte, augenscheinlich fehlgeschlagen ist. Der Haarriss wurde nun mit einer Platte fixiert. Heißt: Die Heilung wird dauern. Heißt aber auch: Danach sollte die Stelle besser halten.

Man sagt ja beim FC Bayern über den eigenen Kader, dass er lediglich zwei Spieler beinhaltet, die nicht zu ersetzen sind. Ohne Robert Lewandowski mangelt es an Toren, ohne Neuer mangelt es an Rückhalt. Dass sich der Welttorhüter nun zumindest in der ersten Saisonhälfte erneut verletzt hat und – läuft alles nach Plan – nur die Hinrunde verpasst, kann man als Glück im Unglück sehen. Dennoch werden sowohl die beiden Champions League-Gruppenspiele gegen Paris als auch das Pokal-Sechzehntelfinale in Leipzig ohne ihn stattfinden müssen. Was Niederlagen in diesen Partien bedeuten würden, kann man sich ausmalen.

Mit Neymar, Timo Werner und Co. muss sich nun Sven Ulreich beschäftigen. Der Ersatzmann war nach seinem bisher besten Spiel im Bayern-Trikot gegen Leverkusen wieder zum Statisten geworden. Genauso wie übrigens Tom Starke, der – auch weil Ersatz-Ersatzmann Christian Früchtl für die U17-WM im Oktober vorgesehen ist – womöglich noch einmal aus dem Ruhestand zurückkehren könnte. „Koan Neuer“ hat beim FC Bayern seit Montag eine neue Bedeutung. Eine, auf die alle Beteiligten gerne verzichtet hätten.

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