Verzweifelt an der Bushaltestelle

von Redaktion

Die DFB-Frauen suchen auch beim 1:0 in Tschechien weiter sich selbst – Steffi Jones: „Zu wenig für unsere Ansprüche“

VON MICHAEL NADLER

Usti nad Labem – Die Miene von Steffi Jones verfinsterte sich von Minute zu Minute, zur Pause folgte der Bundestrainerin nur der in den Stadionbauch, der musste. Freiwillig hätte sich wohl keiner in die Kabine getraut. Die Bundestrainerin zeigte sich auch nach Abpfiff der WM-Qualifikationspartie in Tschechien keineswegs besser gelaunt. „Das war ein Kampfsieg“, sagte die 44-Jährige über das mühsame 1:0, „aber es ist zu wenig für unsere Ansprüche.“

Ein Eigentor in der 51. Minute bescherte den deutschen Fußball-Frauen die Tabellenführung der Gruppe 5, doch obwohl ein Treffer von Dzsenifer Marozsan zu Unrecht aberkannt wurde, drückte das knappe Ergebnis die erschreckende Vorstellung bestens aus. Steffi Jones beharrte in ihrer Analyse zwar zunächst darauf, „wieder einen Schritt nach vorne“ gesehen zu haben, gab aber auch unumwunden zu, dass die oberste Erkenntnis gewesen sei, „dass wir zu harmlos waren“. Simone Laudehr, neben Leonie Maier, Sara Däbritz und Kristin Demann eine von vier Abgesandten vom FC Bayern in der Startelf, beschwerte sich nach der Partie, die Gastgeberinnen seien „in alles reingegangen, was nicht niet- und nagelfest war“ und hätten „ihren Bus vor dem Tor geparkt“ – doch genau das ist das Problem: Dass die DFB-Frauen schon bei der EM stets verzweifelt an der Bushaltestelle standen, ohne nennenswerte Ideen, vorwärts zu kommen.

Die Bundestrainerin, die bei der verkorksten EM noch wild getauscht hatte, schickte die gleiche Startelf wie beim 6:0 über Slowenien auf den Platz, lediglich Torfrau Laura Benkarth ersetzte die verletzte Almuth Schult. In der 82. Minute vereitelte die nominelle Nummer 2 eine hochkarätige Ausgleichschance. „Da können wir uns bei Laura bedanken“, sagte Steffi Jones, „wir müssen unsere Spiele souveräner nach Hause spielen.“ Dass es ein glücklicher Sieg gewesen sei, wollte sie dennoch nicht so stehen lassen. „Wir hatten ja schon ein paar Chancen, so ein Ding muss einfach mal rein, nicht so ein Glückstreffer.“ Man habe zu viel mit hohen Bällen operiert, „ohne Präzision“.

Das nächste WM-Qualifikationsspiel steht am 20. Oktober gegen Island an, vier Tage später geht es gegen die Färöer. Zum Ausklang wurde ein Test mit Frankreich am 24. November verabredet. Es wird spannend, mit welcher Miene sich Steffi Jones in die abschließende Zäsur begibt.

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