Olympia steht bekanntlich schon lange nicht mehr unter einem guten Stern. Die Diskussionen, die der globale Wettstreit auslöst, sind mittlerweile fast traditionell geprägt von Zweifeln, Kritik, Ablehnung. Im aktuellen Fall steht allerdings nicht das IOC am Pranger. Die negativen Schlagzeilen, die bereits jetzt die Winterspiele von Pyeongchang überschatten, haben sozusagen mit höherer Gewalt zu tun. Es geht um die wachsende Angst, dass die Korea-Krise zur tödlichen Gefahr werden könnte. Zuletzt meldeten sich Sportvertreter aus Frankreich und Österreich zu Wort. Ihre Botschaft: Ein Olympia-Verzicht ist unter Umständen denkbar.
Die Beunruhigung ist nur zu verständlich. Schließlich befehden sich in Donald Trump und Kim Jong-un zwei extreme, nur schwer berechenbare Charaktere. Ihre säbelrasselnde Rhetorik erreichte zuletzt eine Eskalationsstufe, auf der unverblümt von Atomtod und Vernichtung die Rede war. Und wahr ist ja auch, dass Nordkoreas hemmungs- und skrupelloser Diktator zuletzt nicht nur verbale Raketen abfeuern ließ. In solch einem Konflikt, in dem die Vernunft höchstens eine Nebenrolle spielt, ist nicht auszuschließen, dass die Dinge auf verheerende Weise außer Kontrolle geraten könnten.
Bei allen berechtigten Bedenken gilt es aber auch zu berücksichtigen, dass von Expertenseite die Situation derzeit zwar als heikel eingeschätzt wird, man aber noch von keiner wahrscheinlichen Kriegsgefahr ausgeht. So unbefriedigend es klingen mag: Es gilt abzuwarten. Ohnehin wäre der Sport schlecht beraten, hier nun die Initiative zu ergreifen – also auf den Teilnahmeverzicht oder gar die Absage bzw. Verlegung der Spiele zu drängen. Dann hätte Kim genau das erreicht, was er anstrebt: Mit seinen Drohgebärden den Rest der Welt einzuschüchtern.
Die Entscheidung, ob und wie der Sport auf die Vorgänge in Korea zu reagieren hat, kann grundsätzlich nur die hohe Politik treffen. Sie allein hat die Verantwortung und die Kompetenz, die Verhaltenslinien vorzugeben, wie mit einer brisanten politischen Krise umzugehen ist. Noch steht das Aus der Pyeongchang-Spiele nicht zur Debatte. Eines allerdings ist auch klar: Einen vorolympischen Frieden stellt man sich anders vor.