Null Promille für neun Punkte

von Redaktion

Angesichts der bevorstehenden Englischen Woche erklärt Löwen-Trainer Bierofka die Wiesn für beendet

von uli kellner

München – Ob das gut ankommt bei Josef Schmid, dem Münchner Wiesn-Bürgermeister? Da sind Veranstalter und Festwirte happy, dass der Kalender wie nur alle paar Jahre eine Verlängerung des Oktoberfests auf 18 Tage ermöglicht, dem Tag der Deutschen Einheit sei Dank. Und was macht der Urmünchner Daniel Bierofka? Stellt sich hin und sagt ohne Hemmungen: „Die Wiesn ist beendet.“ Kurze Pause, dann die Einschränkung: „Für meine Spieler zumindest.“ Profisein bedeutete Verzicht. Der Spielplan lasse keine andere Wahl.

Bereits am Dienstag, vier Tage vor dem Topspiel gegen Schweinfurt, hatte der Coach des TSV 1860 früh den Stecker gezogen und den Sponsortermin im Hackerzelt nach nur zweistündigem Emporehocken abgebrochen. Gegen 20.15 Uhr traten Bierofkas Löwen den geordneten Rückzug an. Halbvolle Masskrüge mit Apfelschorle blieben stehen – alles im Sinne des sportlichen Erfolgs, den Bierofka weder durch zu kurze Nachtruhe noch durch übermäßigen Bierkonsum gefährdet sehen möchte: „Dienstag ist schon wieder ein schweres Spiel in Eichstätt. Freitag geht’s gegen Pipinsried. Es gilt, rein auf diese drei Spiele den Fokus zu legen. Alles andere ist unwichtig.“

Zunächst jedoch steht an diesem Samstag das Topspiel gegen Schweinfurt an. Der Erste gegen den Zweiten. Die Teams mit den höchsten Etats und den erlesensten Kadern im direkten Kräftemessen. Ein vorweggenommenes Endspiel, eigentlich. Wobei: Angeblich ist die Meisterschaft ja bereits entschieden. Schweinfurts Trainer Gerd Klaus hatte den Titelkampf unter der Woche genauso jäh für beendet erklärt wie Bierofka die Wiesn. Offizielle Begründung des Verfolgers: Die Löwen sind zu stark, nicht mehr einzuholen für den fünf Punkte schlechter notierten Rivalen. „Wir müssen uns generell von 1860 München verabschieden“, sagte Klaus. Bierofkas Reaktion: Ein in Worte gekleidetes Kopfschütteln. „Er kann ja sagen, was er will“, so der Löwen-Coach: „Ist in Ordnung, wir leben in einem freien Land. Aber glauben tu’ ich’s ihm nicht.“

Was Bierofka stattdessen glaubt, ist, dass seinem Team erneut 90-minütige Schwerstarbeit bevorsteht – wie in allen bisherigen Partien dieser Regionalliga-Saison. „Für uns ist jedes Spiel ein Brocken“, sagt Bierofka und schiebt die Erklärung hinterher: „Weil jede Mannschaft über sich hinauswächst, egal gegen wen wir spielen.“ Zwei Statistiken stützen seine Brocken-These. Erstens: „Schweinfurt belegt in der Fairplay-Tabelle den letzten Platz.“ Zweitens: „Wer gegen uns spielt, der gewinnt das Spiel danach nicht.“ Sei bisher immer so gewesen, merkt Bierofka an: „Daran sieht man, dass die Gegner alles raushauen gegen uns – und im Spiel danach fehlen halt ein paar Körner.“

Da trifft es sich gut, dass Bierofkas Musterschüler nur so vor Eigenantrieb zu strotzen scheint. „Ich muss meine Spieler selten motivieren“, sagt Bierofka und schwärmt von der zurückliegenden Trainingswoche: „Was da wieder für ein Zug drin war! Da muss ich gar nicht groß was sagen.“ Auch vor dem Spiel gegen Schweinfurt führe das zu harten Ausleseprozessen. Generell spreche nichts dagegen, die zuletzt Absenten wieder ins Team einbauen, also Mölders, Berzel (Gelbsperren abgesessen) und auch Wein (Fuß auskuriert). Aber, so Bierofka: „Ich entscheide mich ungern am Freitag. Da muss ich vorher noch mal in meinen Bauch hineinhören.“

Nicht der Bauch, sondern Augen und Ohren sind dann in den Tagen bis Eichstätt gefragt, denn auch im Falle eines Sieges im Topspiel will Bierofka das Festwiesen-Tabu nicht lockern. Und wenn’s doch den einen oder anderen hinzieht? „Sie können’s gerne probieren, aber ich darf’s halt nicht rauskriegen.“ Zumindest inoffiziell kann die Wiesn also weitergehen.

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