Berlin/München – Leider gibt es sie immer wieder, diese Bewegungen, bei denen man schon im Live-Bild merkt: Das sieht nicht gut aus. Und meistens machen diverse Perspektivwechsel und Zeitlupen die Sache nicht besser. Die Szene, die sich gestern Nachmittag beim Gastspiel des FC Bayern in Berlin nach rund einer Stunde ereignete, war eine von jenen – und auch wenn eine Diagnose noch aussteht, muss man Schlimmstes befürchten für das Knie von Franck Ribery.
Der Franzose riss keine Sekunde, nachdem ihm das Unglück passiert war, schon den Arm nach oben und schrie, wie man es nur tut, wenn einem etwas wirklich wehtut. Nach einem nicht ganz optimalen Pass von Corentin Tolisso hatte er sich zuvor strecken müssen und war mit der linken Fußspitze so unglücklich auf den Ball getreten, dass sein Knie sich weit überstreckte. Die Pirouette, mit der der 34-Jährige zu Boden ging, tat ihr Übriges dafür, dass die Bewegung aussah wie eine, nach der Beobachter üblicherweise das Wort „Kreuzbandriss“ in den Mund nehmen.
Natürlich fiel es auch gestern in den Katakomben, als Ribery im Krankenhaus war. Bank oder Kabine waren keine Option für den Flügelspieler, der das Feld nicht aus eigener Kraft verlassen konnte. Er stützte sich auf zwei Schultern, wurde ab und an sogar getragen, weil jeder Schritt eine Qual war. Durch das Marathontor ging der schleppende Weg direkt in die Klinik.
Sagnol spricht von Außenbandanriss
Später, weit nach Abpfiff des 2:2, das die Bayern nach dem Verletzungsschock nicht mehr für sich entscheiden konnten, kam Ribery auf Krücken zum Teambus. Eine eingehende Untersuchung soll in München erfolgen, Entwarnung aber gab es nicht. Vielmehr habe Ribery laut Hasan Salihamidzic „so starke Schmerzen“, dass sein Knie bisher nicht durchleuchtet werden konnte. Der Sportdirektor fügte an: „Es sieht nicht gut aus.“ Interimstrainer Willy Sagnol sprach vom Verdacht auf einen Außenbandanriss. Das wäre die harmlosere Vatiante. Was eine schwerere Knieverletzung für einen 34 Jahre alten Spieler bedeuten würde, kann man sich leicht ausmalen.
Ribery war lange verschont, außer muskulären Problemen hatte er seit seiner langwierigen Sprunggelenksverletzung 2015 nichts zu beklagen. Dass nun ausgerechnet das erste Spiel nach dem Abgang des von ihm so ungeliebten Trainers Carlo Ancelotti so endete, ist die bittere Pointe. Es hätte alles besser werden sollen – es wurde alles schlimmer. Mit jeder Zeitlupe wurde das deutlicher. hanna raif