München – Es sind auch nur drei Punkte, und die Angestellten des EHC München, die mehrheitlich aus einer weit entfernten Kultur stammen (ein Ozean dazwischen), unterscheiden nicht, ob sie sich ihre Prämien gegen Bremerhaven, Straubing oder sonstwen verdienen. Aber für die Fans sind es, bevor die Playoff-Zeit kommt, die wichtigsten Spiele: die Derbys gegen Augsburg. Das erste ist am Sonntag in München an den EHC gegangen. Mit 5:2. Grundlage war ein zweites Drittel, in dem im Abschluss fast alles glückte. Aus einem 0:1 wurde ein 4:1. Eine Enttäuschung war für die Münchner nur die Zuschauerzahl: 4220. Abseits der Playoffs kommt die Eishockeykultur in der Meisterstadt nicht voran.
Die Hauptaufgabe für München bestand darin: Wie sollte man der Powerplay-Maschine der Panther begegnen? Deren Überzahlspiel ist seit der vergangenen Saison eine konstante Größe, kein anderes Team reicht an die Augsburger Quote heran. Das Fachmagazin „Eishockey-News“ versuchte, das Geheimnis auf einer Doppelseite zu ergründen, und offensichtlich hatte sich auch EHC-Trainer Don Jackson mit seinem Stab an Assistenten gut eingelesen. Die Powerplay-Effizienz des AEV betrug am Ende: null Prozent. Von den Berühmtheiten aus der Spitzengruppe der DEL-Scorerwertung war noch so viel zu sehen,
Jackson ließ die Augsburger früh stören (Spezialist Mads Christensen), versuchte zu verhindern, dass der Gegner überhaupt ins EHC-Drittel kam. Denn wenn die Augsburger sich erst einmal aufgestellt haben, ist es schwer, ihren Scheibenlauf zu unterbinden. In Führung gingen die Panther trotzdem, aber eben auch glücklich: David Stieler fälschte einen Verteidiger-Schuss (100 Kilo-Mann Brady Lamb) zum 0:1 ab.
Auffälligster Münchner Spieler war Steve Pinizzotto. Zum einen, weil er sich halt wieder seine Strafzeiten holte (Bandencheck, Beinstellen), aber bei seiner Rückkehr von der Box aufs Eis den Puck über die Linie brachte – zum 1:1 (23.) und 2:1 (29.). Dazwischen lag eine für Augsburg wichtige Szene. Michael Davies, ihr Stürmer, fuhr ein „Coast to coast“-Solo, spielte alle Münchner aus, zog ab, es klingelte, doch die Scheibe sprang ins Feld zurück, das Spiel lief weiter. Erst der Videobeweis brachte Erhellung: Tordreieck-Außenseite. Kurz darauf Münchens 2:1. Augsburgs Torwart Boutin war dann nicht mehr sicher, das nutzten Joslin (30.) und Mauer (34.) mit ihren Toren.
Augsburg riss sich im Schlussdrittel am Riemen, kämpfte, um ein Debakel zu verhindern und kam durch Daniel Schmölz noch zum 2:4-Anschluss. In das Drängen hinein eine Undiszipliniertheit des Paradestürmers Trevor Parkes (steht im kanadischen Olympiakader) – die Strafzeit nutzte Michael Wolf zum 5:2, dem einzigen Überzahltor des Tages.
Die Mannschaft hat nach dem Derby-Erfolg keine Pause. Am Dienstag (18 Uhr) wechselt der EHC den Wettberb. In der Champions Hockey League (CHL), in der das Achtelfinale bereits erreicht ist, steht das Heimspiel gegen Brynäs Gävle aus Schweden an, das zweite starke Team der Vorrundengrippe.