So bunt wie in Las Vegas

von Redaktion

Die „Oktoberfest 7s“ machen sich in der Rugbyszene rasch einen Namen

Von Jan Lüdeke

München – Die Beine waren schwer, die Körper müde. Als alles vorbei war, spazierte die deutsche Nationalmannschaft noch mal am Spielfeld entlang, die Augen ständig auf die bunten Fans im Olympiastadion gerichtet. „Das war eine unglaubliche Atmosphäre, so etwas Geiles habe ich noch nicht erlebt“, sagte ein sichtlich überwältigter Nationalspieler Carlos Soteras-Merz. Bei der ersten Ausgabe der „Oktoberfest 7s“ erreichte er mit Deutschland einen starken fünften Platz und zeigte mal wieder: Deutschland ist mittlerweile wer in der Welt des Rugby. Und auch das Turnier wurde gut angenommen, dürfte deshalb in den nächsten Jahren eine Institution werden.

Rund 16 000 Zuschauer fanden am Samstag, dem zweiten Tag des Turniers, den Weg ins Olympiastadion. Das entspricht gerade einmal einer Auslastung von etwa einem Viertel des Stadions, doch die Stimmung erreichte auch so immer wieder Höhepunkte – besonders dann, wenn die deutsche Mannschaft spielte. Viele Fans bunt verkleidet, wie es auch bei internationalen Siebener-Rugby-Turnieren in Las Vegas oder Hongkong üblich ist. Wo man nur hinsah: Menschen in Bananen-Outfits, eine ganze Truppe Schlümpfe, die diversesten Tierverkleidungen. Aus dem Umfeld der Organisatoren um den Gründer der Oktoberfest 7s, Matthias Entenmann, war zu vernehmen, dass das Turnier auch im nächsten Jahr wieder stattfinden soll – möglicherweise schon als Teil der Weltserie, denn auch der Weltverband zeigte sich mit dem Turnier mehr als zufrieden.

Am Ende durfte Entenmann den Siegerpokal den Australiern übergeben. Das Team aus Down Under hatte sich im Finale über Olympiasieger Fidschi in einen Rausch gespielt und mit 40:7 einen überraschend deutlichen Sieg eingefangen. Ben O’Donnell, der im Endspiel zwei Versuche für sein Team gelegt hatte, zeigte sich überwältigt: „Es war toll, im Olympiastadion zu spielen. München ist eine super Stadt, die Verbindung von Rugby und Oktoberfest ist speziell.“ Das Turnier kam selbst bei den Teams aus traditionellen Rugby-Ländern gut an.

Ihren Teil zum Erfolg trug auch die deutsche Mannschaft bei, die schon am ersten Tag ihren Kapitän Sam Rainger wegen eines Kreuzbandrisses verloren hatte. Sie gewann ihre Gruppe an Tag eins, nach einer Auftaktniederlage gegen Argentinien gelangen Siege über England und Uganda.

Apropos Uganda. Deren Teammanager Michael Wandera hat eine ganz spezielle Beziehung zum Olympiastadion. Seine Eltern lernten sich dort bei den Olympischen Spielen 1972 kennen, 45 Jahre später führte Wandera nun die ugandische Mannschaft zurück an „seinen“ Ort.

Am zweiten Tag ging der Lauf des deutschen Teams erstmal nicht weiter. Im Viertelfinale ging’s erneut gegen England, das sich als bester Gruppendritter noch qualifiziert hatte. Diesmal setzte es für Soteras-Merz und Co. eine Niederlage. Durch dramatische Erfolge über Frankreich (7:5) und im zweiten Duell über Argentinien (19:17) – in beiden Spielen hatte der Gegner mit der letzten Aktion noch einen Versuch gelegt und die Chance mit dem Erhöhungskick auszugleichen, doch beide Male ging der Kick daneben – gelang am Ende der fünfte Platz.

Zum ersten Mal seit 2011 spielte Deutschland wieder ein Turnier im eigenen Land. „Es war unglaublich, wir haben schon in der Kabine die Fans gehört, sowas haben wir alle noch nie erlebt. Dazu vor Freunden und Familie zu spielen, hat uns unfassbar motiviert“, schwärmte Soteras-Merz. Und es ließ das deutsche Team gerade in den letzten Spielen seine schweren Beine und müden Körper vergessen.

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