Augsburg – Peter Bosz, der neue Trainer von Borussia Dortmund, ist eine wohltuende Erscheinung. Keiner dieser Schreihälse und Aggressivlinge an der Seitenlinie, die den Vierten Offiziellen 90 Minuten lang als Intimfeind behandeln. Der Niederländer ist sachlich-freundlich – und, was die Einschätzung eines Spiels betrifft, angemessen selbstkritisch. Nach dem 2:1-Sieg beim FC Augsburg brachte er es auf den Punkt: „Es war unser schlechtestes Spiel, seit ich hier Trainer bin. In der ersten Halbzeit haben wir keinen guten Fußball gespielt, der der zweiten gar nicht mehr Fußball gespielt.“ Konkrete Vorwürfe an einzelne Akteure wollte Bosz daraus aber keinesfalls ableiten. „Ich denke“, erklärte er, „zwei solche Spiele hat man in einer Saison. Die verliert man dann auch.“
Der BVB jedoch gewann seines. Und das bei einem FC Augsburg, der ja momentan zur besseren Hälfte der Bundesliga zählt, intakt ist und in seinen Heimspielen einen gewaltigen Druck aufbauen kann. Wenn also Dortmund unter solchen Tagesumständen nicht fällt, kann man dann daraus schließen, dass es das Glück und den Lauf für eine Meistersaison hat? Bisher hatte der BVB schöne Siege abgeliefert, zuletzt in der Liga das 6:1 gegen Mönchengladbach. Das 2:1 in Augsburg gehörte in eine andere Kategorie, wie der eingewechselte Gonzalo Castro befand: „Wir freuen uns umso mehr, einen dreckigen Sieg einzufahren. Es war wichtig, nicht in letzter Minute das 2:2 zu kassieren.“
Rätselhaft, wie der BVB mit einem Gegentreffer durch die ersten sechs Spiele gekommen war. Augsburg stellte den Tabellenführer mit dem einfachen Schema Flanke – Kopfball (wie beim 1:1 durch Max und Caiuby/11.) vor große Probleme. Die Stärken von Schwarz-Gelb liegen eindeutig in der Offensive. „Da haben wir gesehen, dass es brutal schwer ist, gegen Dortmund gute Entscheidungen zu treffen“, so Augsburgs Abwehrchef Martin Hinteregger. Er traf eine falsche, darum ging das 2:1 für den BVB „auf meine Kapp’n“, so der Österreicher, „als Innenverteidiger muss ich durchziehen – egal, was passiert.“ So kam der Ball zum Borussen-Japaner Shinji Kagawa, dem ein „Lupfen jetzt“-Kunststück à la Lars Ricken im Champions-League-Finale 1997 gelang (23.). Hohe Kunst. Auch das erste Tor war was Feines gewesen: per Hacke erzielt von Andrej Yarmolenko (4.).
Schwach indes: Pierre-Emerick Aubameyang. Er vertändelte bei einem Konter, als er alleine auf Marwin Hitz zulaufen konnte, den Ball beim Versuch, den FCA-Torhüter spektakulär auszuspielen (33.). Auch Kopfbälle (wie nach Flanke von Pulisic/71.) hat man von dem Gabuner schon besser gesehen. Schlimmstes Missglücken dann beim Elfmeter, den der BVB in der 78. Minute zugesprochen bekam. Aubameyang wollte Hitz mit einem Schlenzer in die Tormitte verladen, Hitz blieb stehen, ließ den Schützen als Dilettanten erscheinen.
Wie es zu dem Elfer kam, war eine besondere Geschichte. Bis auf den in Köln sitzenden Videoschiedsrichter Jochen Drees hatte niemand das Foul von Koo an Piszczek im Augsburger Strafraum bemerkt, die Unterbrechung erfolgte erst, als auf der Gegenseite Cordova ans Dortmunder Außennetz getroffen hatte; Feldschiri Marco Fritz ging Video schauen und trug den Ball dann in den anderen Sechzehner.
Keine Aufregung darüber bei den FCA-Verantwortlichen. „Dass so etwas kommen kann, wurde uns kommuniziert“, so Manager Stefan Reuter, „wir würden uns mehr ärgern, wenn unser Angriff abgepfiffen würde.“
Aubameyangs Status bleibt trotz der Elfer-Blamage unangetastet. „Auba schießt“, legte Bosz für die Zukunft unmissverständlich fest. Und in dem schlechten Spiel des BVB ließ sich neben dem Punkteertrag auch was Positives entdecken – zumindest für Sportchef Michael Zorc: „Wir sind viel gelaufen und haben gute Mentalität gezeigt.“